Die Ausbildung von Resistenzen stellen einen natürlichen Mechanismus dar, mit dem Bakterien ihr Überleben sichern. Das müsse man berücksichtigen, wenn man über Antibiotika-Resistenzen spreche, sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Universität Frankfurt am Main, in seinem Vortrag auf der pharma-world in Düsseldorf. Nicht nur neue antibiotisch wirksame Substanzen seien erforderlich, um Infektionskrankheiten auch zukünftig wirksam behandeln zu können, sondern ebenso ein bewusster Umgang mit diesen Arzneistoffen.

Nach Einschätzungen des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind in Deutschland zwischen 2011 und 2020 circa 20 neue antibiotisch wirksame Substanzen zugelassen worden. Dabei handele es sich jedoch nicht um Sprunginnovationen im Sinne völlig neuer Antibiotika-Klassen, sagte Schubert-Zsilavecz. »Wir haben also keine innovativen Substanzen, die uns helfen könnten, Resistenzsituationen, wie wir sie weltweit erleben, zu durchbrechen.“ Er fordert Maßnahmen, um die Entwicklung innovativer Antibiotika zu fördern. Neben fehlenden Forschungsgeldern stelle hierbei die Preisgestaltung bei Antibiotika ein Problem dar.

Beim bewussten Umgang mit Antibiotika komme den Offizin-Apothekern eine wichtige Aufgabe zu, führte Schubert-Zsilavecz aus. Diese müssten die Patienten für den korrekten Gebrauch dieser Arzneimittel sensibilisieren. Die Einführung eines Antibiotikapasses könne dabei helfen. Dadurch könne man zudem die Einnahme dokumentieren und den Antibiotikaverbrauch der Bevölkerung monitoren. Aber auch die Bereiche Entsorgung von Arzneimitteln und der Einsatz in der Tiermast müssten in die Überlegungen einbezogen werden. Schubert-Zsilavecz: „Es reicht nicht aus, den Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin zu diskutieren, ohne gleichzeitig den Blick auf die Tierhaltung und Veterinärmedizin zu richten.“

Den vollständigen Vortrag gibt es in diesem Video:

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