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Expopharm: Ein Erlebnis für PTA

Die Pharma-Fachmesse Expopharm hatte in diesem Jahr eine Menge Neues für PTA im Angebot. Dr. Sandra Barisch, PTA-Botschafterin für die Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker und Petra Lutz, Geschäftsbereichsleiterin Messen und Kongresse bei Avoxa, erklären der Amira®-Community im Video, was PTA in diesem Jahr auf der Messe erleben konnten.

Bei der Expopharm 2019 in Düsseldorf wurde für PTA so viel geboten wie noch nie zuvor. / Foto: PTA-Forum

Bei der diesjährigen Expopharm in Düsseldorf wurde für PTA so viel geboten wie noch nie zuvor: Im Rahmen des neuen Formats »InspirationLAB« etwa wurden spezielle Kosmetik-Workshops angeboten, bei denen PTA Kosmetik-Produkte in Apothekenqualität herstellen konnten. Bei speziellen Rundgängen – unter anderem zu den Themen Rezeptur und Kosmetik – konnten die Messebesucher verschiedene Aussteller näher kennenlernen.

Und nicht zuletzt wurde in der Pharma-World wieder ein umfangreiches Vortragsprogramm geboten, am »PTA-Samstag« stand hier das Thema Rezeptur im Fokus. Gar nicht so einfach, hier den Überblick zu behalten: Zum Glück warteten an allen Messetagen PTA-Schülerinnen und -Schüler der PTA-Schule Niederrhein im Eingangsbereich auf die Messebesucher, um ihnen bei der Tagesplanung und Orientierung in den Messehallen behilflich zu sein.

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Wer in diesem Jahr nicht dabei sein konnte, hat die Chance, bei der nächsten Expopharm in München das PTA-Angebot kennenzulernen. Die Expopharm 2020 findet vom 07. bis 10. Oktober 2020 statt.

Erschienen auf www.pta-forum.de am 29.10.2019 von Verena Schmidt

Montag, 11. November 2019|pharma-world|

pharma-world | Strategien gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Ausbildung von Resistenzen stellen einen natürlichen Mechanismus dar, mit dem Bakterien ihr Überleben sichern. Das müsse man berücksichtigen, wenn man über Antibiotika-Resistenzen spreche, sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Universität Frankfurt am Main, in seinem Vortrag auf der pharma-world in Düsseldorf. Nicht nur neue antibiotisch wirksame Substanzen seien erforderlich, um Infektionskrankheiten auch zukünftig wirksam behandeln zu können, sondern ebenso ein bewusster Umgang mit diesen Arzneistoffen.

Nach Einschätzungen des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind in Deutschland zwischen 2011 und 2020 circa 20 neue antibiotisch wirksame Substanzen zugelassen worden. Dabei handele es sich jedoch nicht um Sprunginnovationen im Sinne völlig neuer Antibiotika-Klassen, sagte Schubert-Zsilavecz. »Wir haben also keine innovativen Substanzen, die uns helfen könnten, Resistenzsituationen, wie wir sie weltweit erleben, zu durchbrechen.“ Er fordert Maßnahmen, um die Entwicklung innovativer Antibiotika zu fördern. Neben fehlenden Forschungsgeldern stelle hierbei die Preisgestaltung bei Antibiotika ein Problem dar.

Beim bewussten Umgang mit Antibiotika komme den Offizin-Apothekern eine wichtige Aufgabe zu, führte Schubert-Zsilavecz aus. Diese müssten die Patienten für den korrekten Gebrauch dieser Arzneimittel sensibilisieren. Die Einführung eines Antibiotikapasses könne dabei helfen. Dadurch könne man zudem die Einnahme dokumentieren und den Antibiotikaverbrauch der Bevölkerung monitoren. Aber auch die Bereiche Entsorgung von Arzneimitteln und der Einsatz in der Tiermast müssten in die Überlegungen einbezogen werden. Schubert-Zsilavecz: „Es reicht nicht aus, den Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin zu diskutieren, ohne gleichzeitig den Blick auf die Tierhaltung und Veterinärmedizin zu richten.“

Den vollständigen Vortrag gibt es in diesem Video:

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Donnerstag, 31. Oktober 2019|pharma-world|

Pädiatrie: Lösung erste Wahl

Lösungen und Suspensionen sind besonders geeignete Arzneiformen für die Pädiatrie. Dr. Stefanie Melhorn vom DAC/NRF erklärte heute bei einem Vortrag in der Pharmaworld auf der Expopharm die Vor- und Nachteile der beiden Arzneiformen und was es bei deren Herstellung zu beachten gibt

Besser eine Lösung oder eine Suspension herstellen? „Man sollte, wenn es möglich ist, immer versuchen, eine Lösung herzustellen“, sagte Dr. Stefanie Mehlhorn. Lösungen sind in der Regel unproblematischer, stabiler und besser dosierbar als Suspensionen. Dafür müsse der Wirkstoff aber gut im Trägermedium – in der Pädiatrie in der Regel Wasser – löslich sein. Angaben zur Löslichkeit kann man in der entsprechenden Arzneibuch-Monographie finden. Alle Bestandteile des Arzneimittels wie Konservierungsmittel, Geschmackskorrigenzien und Verdickungsmittel müssen für die jeweilige Altersgruppe geeignet sein.

„Wir arbeiten immer mit Volumendosierung, denn auch bei der späteren Verabreichung messen die Eltern ja in der Regel in Millilitern ab“, sagte Melhorn. Bei Suspensionen könne man prinzipiell auch etwas höher dosieren als bei Lösungen, die oft tropfenweise verabreicht werden. Bedenken müsse man bei der Dosierung auch, wie groß das später einzunehmende Volumen sein wird. „Kleinere Kinder können keine sehr großen Volumina einnehmen.“

Bei der Herstellung einer Lösung lasse sich die Löslichkeit des Wirkstoffs beispielsweise verbessern, indem man statt der Base ein Salz einsetzt. Wichtig hierbei: Die Menge so anpassen, dass die Dosierung stimmt. Manchmal biete sich auch der Zusatz eines Lösungsvermittlers an. In der Pädiatrie seien Glycerol und Sorbitol gut geeignet, so Melhorn. „Sie schmecken süß und wirken so gleichzeitig als Geschmackskorrigens.“

Wie schnell sich der Wirkstoff löst, ist unter anderem abhängig von der Temperatur und der Größe der Partikel. Mikronisierte Wirkstoffe lösten sich aufgrund der größeren Oberfläche schneller, wie Melhorn erklärte. Auch wer eine Lösung bei der Herstellung kontinuierlich rührt, kann die Lösungsgeschwindigkeit beschleunigen.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 28.09.2019 von Verena Schmidt

Samstag, 28. September 2019|pharma-world|

Antikörper zur Migräne-Prophylaxe Wie kommt die Innovation zum Patient?

Die neuen Antikörper zur Migräne-Prophylaxe blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) beziehungsweise seinen Rezeptor. Mit dem neuen Wirkprinzip könnte vielen Patienten, die bisher nicht optimal behandelt wurden, geholfen werden, doch oft sind die neuen Therapieoptionen kaum bekannt. Der Apotheker kann hier eine wichtige Rolle spielen – wie diese aussehen könnte, erläuterten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion bei der Pharmaworld auf der Expopharm.

Migräne-Patienten, die bisher nicht adäquat prophylaktisch behandelt werden können, könnten von den neuen Antikörpern profitieren. / Foto: Fotolia/fizkes

Lange Zeit gab es bei der Migräne-Prophylaxe keine Neuerungen. Die Patienten wurden beispielsweise mit Betablockern oder Calcium-Antagonisten behandelt – oft mit geringer Wirkung, aber dafür mit einigen Nebenwirkungen. Seit kurzer Zeit sind nun die Antikörper Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab verfügbar, aber den Patienten sind die neuen Therapieoptionen oft noch nicht bekannt. Der Apotheker kann hier eine wichtige Rolle spielen und zum Vermittler werden. Denn er könne im Beratungsgespräch meist relativ einfach Migräne-Patienten, die nicht adäquat behandelt werden, identifizieren, sie informieren und an einen Facharzt verweisen, wie Apotheker Dr. Björn Schittenhelm ausführte. »Das sind beispielsweise Patienten, die häufiger in der Selbstmedikation nach Triptanen fragen und teilweise gleich mehrere Packungen auf einmal erwerben wollen«, nannte er ein Beispiel.

Auch Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main sieht hier eine wichtige Aufgabe für den Apotheker. Die Apotheke biete als niedrigschwellige Anlaufstation die ideale Möglichkeit, die Patienten herauszufiltern. „Die Apotheker haben den Überblick über Innovationen. Sie müssen ihr Wissen nur noch auf den Patienten übertragen.“

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hält gerade die Indikation Migräne, die viele Patienten betrifft, für geeignet, um darüber nachzudenken, wie pharmazeutische Dienstleistungen in Zukunft in der Praxis umgesetzt werden können. Der Apotheker könne hier die Qualität der Arzneimittel-Therapie verbessern. „Es ist unsere Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die geeigneten Patienten von den neuen Innovationen profitieren können“, sagte er. Einen Konflikt mit den Ärzten sieht er dabei nicht.

Der Apotheker als Brückenbauer
Dr. Alexander Ravati, Geschäftsführer der Ravati-Seminare, berichtete aus eigener Erfahrung, dass das Interesse der Apotheker an Innovationen groß sei. Das Wissen sei vorhanden, und die Apotheker zeigten großen Willen, als Brückenbauer zu agieren. Doch oft mangele es am praktischen Bezug. „Es fehlt ein Bild im Kopf, wie man das Wissen an den Patienten bringen kann. Das kann man aber trainieren“, zeigte er sich überzeugt.

Nicht alle Neurologen verschreiben die neuen Antikörper – darf der Apotheker den Patienten dann an einen bestimmten Facharzt verweisen? Ein Problem wegen unerlaubter Zusammenarbeit sahen die Diskussionsteilnehmer in einem solchen Fall nicht. Ravati: „Zwar gibt es ein grundsätzliches Zuweisungsverbot, um wirtschaftliche Vorteile für die Apotheke zu vermeiden. Dieses ist hier aber nicht gegeben. Vielmehr ist hier die Grenze der Selbstmedikation erreicht und der Patient wird an den Arzt verwiesen.“ Schmidt ergänzte: „Das Recht auf eine zweite Meinung ist ein Grundprinzip unseres Gesundheitssystems. Wichtig ist, dass der Patient die optimale Therapie bekommt.“

Zur Verbesserung der Patientenversorgung sollten Ärzte, Apotheker und Pharmaindustrie zusammenarbeiten, darin waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Von Seiten der Industrie gibt es im Bereich der Rx-Arzneimittel bereits viele Fortbildungen für Ärzte, aber auch Apotheker spielen inzwischen eine wichtige Rolle für die Hersteller, wie Matthias Diessel von der Firma Teva ausführte. Zwar gebe es schon spezielle Fortbildungen für Apotheker, aber man wolle diese intensivieren und die Apotheker bei den Ärzte-Fortbildungen einbinden, versprach er.


Lebhafte Diskussionsrunde: Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Allgemeinmediziner Dr. Markus Groteguth, Friedemann Schmidt, Moderator Professor Dr. Theo Dingermann, Dr. Björn Schittenhelm, Matthias Diessel und Dr. Alexander Ravati (von links). / Foto: PZ/Alois Mueller

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Verena Schmidt

Freitag, 27. September 2019|pharma-world|

Wirkstoff-Entwicklung: Antibiotika sind zu billig

„Wir brauchen neue Ansätze, neue Rahmenbedingungen und neue Förderinstrumente, um neuen innovativen Antibiotika den Weg zu ebnen“, forderte Professor Manfred Schubert-Zsilavecz bei seinem Vortrag in der Pharma World im Rahmen der Expopharm.

2018 wurden laut Zahlen der US-amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) 59 Arzneimittel zugelassen: darunter kein innovatives Antibiotikum. Die großen Erfolge in der Entwicklung von Antibiotika seien in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts gewesen.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) bewerte die Situation noch lange nicht so negativ. Nach eigenen Einschätzungen des vfa sind in Deutschland zwischen 2011 und 2020 circa 20 neue antibiotisch wirksame Substanzen zugelassen worden. Schubert-Zsilavecz betonte, dass es sich dabei jedoch nicht um Sprunginnovationen im Sinne völlig neuer Antibiotika-Klassen handle. Es seien Entwicklungen auf Basis bereits vorhandener Wirkstoffgruppen. »Wir haben also keine innovativen Substanzen, die uns helfen könnten, Resistenzsituationen, wie wir sie weltweit erleben, zu durchbrechen«, verdeutlichte er. Antibiotika mit neuen Wirkmechanismen und neuen Targets ließen weiter auf sich warten. Er fordert Maßnahmen, um die Entwicklung innovativer Antibiotika entlang aller Stufen der Forschung zu fördern. Darunter falle auch die Grundlagenforschung.

Ein wesentliches Problem sieht er neben fehlenden Forschungsgeldern in der Preisgestaltung von Antibiotika. Laut aktuellem Arzneiverordnungsreport (AVR) lagen die durchschnittlichen Tagestherapiekosten von Amoxicillin im Jahr 2017 bei 1,22 Euro. „Meiner Einschätzung nach sind Antibiotika zu billig“, sagte Schubert-Zsilavecz. Immerhin handle es sich dabei um ein lebensrettendes Medikament. Er stelle die Frage, welche Motivation pharmazeutische Unternehmen haben sollten, neue Wirksubstanzen zu entwickeln, wenn sie am Ende für die derzeitigen Preise abgeben werden würden?

Außerdem betonte er: »Die Bewertungsinstrumente des IQWiG sind nicht dafür geeignet, die Antibiotikaforschung und Entwicklung zu stimulieren. Die Vergleichsinstrumente tragen nicht dazu bei, hier Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Es müssen neue Anreize und neue Preismodelle entwickelt werden.« Seiner Einschätzung nach würde der Preis am Ende mit darüber entscheiden, ob es gelingt, neue innovative Antibiotika zu entwickeln.

Resistenzen vermeiden
In Sachen Antibiotika-Umgang und Resistenzen lobte Schubert-Zsilavecz die deutsche Politik. Alle zwei Jahre veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit unter anderem in Zusammenarbeit mit der Paul-Ehrlich-Gesellschaft einen Bericht zum Antibiotikaverbrauch und zur Antibiotikaresistenz in der Human- und Veterinärmedizin (GEMAP). Darin werden konkrete Maßnahmen für den rationalen Gebrauch von Antibiotika genannt, darunter auch die Forderung, Resistenzbildung sektorübergreifend zu betrachten. „Es reicht nicht aus, den Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin zu diskutieren, ohne gleichzeitig den Blick auf die Tierhaltung und Veterinärmedizin zu richten“, sagte Schubert-Zsilavecz.

Zusätzlich veröffentlichte die Bunderegierung ein Strategiepapier mit nationalen Maßnahmen gegen Antibiotikaresistenzen (DART). Dort werden explizite Möglichkeiten genannt, was Heilberufe leisten können. „Ärzte und Apotheker haben die große Verantwortung, Resistenzen zu vermeiden, indem sie einen rationalen Einsatz von Antibiotika pflegen“, sagte er. Antibiotika seien unverzichtbar, müssten aber indikationsgemäß eingesetzt werden, nur so könnten Resistenten effektiv eingedämmt werden.

Eine wesentliche Aufgabe des Offizin-Apothekers sieht Schubert-Zsilavecz in der richtigen Beratung des Patienten hinsichtlich Dosierung, Einnahme und Therapiedauer. Auch Patienten müssten für den richtigen Gebrauch sensibilisiert werden. Die Einführung eines Antibiotikapasses könne helfen, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen, wie wertvoll diese Arzneistoffe sind und wie wichtig der richtige Umgang damit ist. Dadurch könne man auch die Einnahme besser dokumentieren und den Antibiotikaverbrauch der Bevölkerung monitoren. Hier sieht er sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich Verbesserungsbedarf. Ebenfalls eine Aufgabe, bei der die Apotheke positiv mitwirken kann.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 27.09.2019 von Michelle Haß

Freitag, 27. September 2019|pharma-world|

Schlafstörungen: „Das ideale Schlafmittel wird noch gesucht“

Die Suche nach dem idealen Schlafmittel ist durch zahlreiche Rückschläge gekennzeichnet. Gaboxadol, Eplivanserin und EVT201 sind nur einige davon. Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität in Frankfurt stellte in der Pharmaworld auf der Expopharm in Düsseldorf den Orexin-Rezeptorantagonisten Suvorexant als einen neuen Hoffnungsträger vor – aber auch der scheint nicht ideal zu sein.

„Etwa 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung ist von Schlafstörungen betroffen“, sagte der pharmazeutische Chemiker. Rund ein Drittel habe eine Dauertherapie, wobei hier sowohl medikamentöse als auch auch nicht medikamentöse Maßnahmen inbegriffen sind. Viele Patienten seien jedoch mit ihrer Therapie unzufrieden. Der Bedarf an innovativen und sicheren Substanzen sei daher groß, sagte Schubert-Zsilavecz.

Die Anforderungen an ein ideales Schlafmittel sind hoch. Sie reichen von einem spezifischen Wirkmechanismus über große therapeutische Breite, keine Toxizität, keinen Rebound, keinen Einfluss auf die Schlafarchitektur bis über keine Toleranz- oder Abhängigkeit. Als Hoffnungsträger bezeichnete Schubert-Zsilavecz den in den USA zugelassenen dualen Orexin-Rezeptorantagonisten Suvorexant (Belsomra®), der in einer Phase-III-Studie beeindruckende Ergebnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit gezeigt habe. Allerdings zeichne sich inzwischen ab, dass der neue Wirkstoff zu Tagesmüdigkeit und Suizidgedanken führe. „Das muss man sehr gut im Auge behalten“, sagte Schubert-Szilavecz.

Medikamentöse Maßnahmen dürfen der S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ zufolge auch erst zum Einsatz kommen, wenn alle nicht medikamentösen ausgeschöpft sind. „Ein strukturierter Dialog ist allerdings für den Arzt sehr zeitaufwendig“, gab Schubert-Zsilavecz zu bedenken Zur Pharmakotherapie stehen Benzodiazepine, Z-Substanzen, sedierende Antidepressiva sowie Melatonin zur Verfügung. Benzodiazepine seien im kurzfristigen Gebrauch (3 bis 4 Wochen) empfehlenswert. „Für eine generelle Empfehlung in der Langzeitanwendung gibt es keine Evidenz“, betonte Schubert-Zsilavecz. Das unterstrich auch Professor Dr. Hans-Jürgen Müller, München, in einer anschließenden Podiumsdiskussion. Der Psychiater warnte zugleich vor einer allgemeinen Verteufelung der Benzodiazepine. „Es gibt eine kleine Gruppe, vor allem ältere Menschen, denen man Benzodiazepine auch als Langzeittherapie nicht vorenthalten darf.“ Solche begründeten Einzelfälle müsse man als Arzt jedoch sehr gut dokumentieren.
Bei der Verordnung und Anwendung von Benzodiazepine muss die 4-K-Regel beachtet werden: klare Indikation, kleinste Packung, kein abruptes Absetzen und kurze Anwendung. Wichtig für die Beratung: Die Einnahme sollte unmittelbar vor dem Schlafengehen erfolgen, um die Sturzgefahr zu minimieren. Zudem sollte der Kunde auf die Gefahr eines Hangover-Effekts hingewiesen werden.

Gleich wirksam wie die klassischen Benzodoazepine seien die Z-Substanzen seien und auch sie dürften nur kurzfristig eingesetzt werden. Auch eine Kurzzeitbehandlung mit sedierenden Antidepressiva sei effektiv, wobei auf die Kontraindikationen zu achten ist, so der Referent. Hingegen nicht geeignet für die Therapie von Schlafstörungen sind Antipsychotika: „Das ist großer therapeutischer Unfug.“ Melatonin spiele in Europa eine untergeordnete Rolle. Es wird in der Leitlinie wegen geringer Wirksamkeit nicht generell empfohlen. Anders sehe es beim Einsatz von Jet Lag aus, wozu es aber auch solide klinische Daten gebe.

Auf den hohen Beratungsbedarf bei den nicht rezeptpflichtigen Therapieoptionen bei Schlafstörungen ging Apothekerin Dr. Miriam Ude, Darmstadt, im Interview mit PZ-Chefredakteur Professor Dr. Theo Dingermann ein.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Kerstin A. Gräfe

Donnerstag, 26. September 2019|pharma-world|

pharma-world | Auch „schlafende“ Bakterien können Antibiotika-Resistenzen weitergeben

Auch ohne den Druck durch eine Antibiotika-Therapie können schlafende Bakterien offenbar die Informationen für eine Antibiotika-Resistenz weitergeben, und zwar nicht nur an Artgenossen sondern auch an fremde Bakterienstämme. Darauf weisen die Ergebnisse einer aktuellen Studie der ETH Zürich hin, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurden.

Die Wissenschaftler machten ihre Beobachtung an Mäusen, die mit Salmonella Typhimurium infiziert waren. Diese Bakterien bilden eine Form mit reduziertem Stoffwechsel, sogenannte Persister, wenn sie vom Darm ins Körpergewebe eingedrungen sind. Diese waren in der Lage, Plasmide mit Resistenzgenen sowohl an andere Stämme von S. Typhimurium als auch an Escherichia-coli-Bakterien weiterzugeben, sobald sie aus ihrem Dämmerzustand erwachten. Dies geschah unabhängig davon, ob die Mäuse mit Antibiotika behandelt worden waren oder nicht.

Bislang war man der Auffassung, dass Resistenzen sich vor allem dann verbreiten, wenn Antibiotika eingesetzt werden. Deshalb lautet der Appell, Antibiotika möglichst restriktiv zu verwenden. Angesichts ihrer neuen Erkenntnisse müsse diese Empfehlung erweitert werden. »Antibiotika restriktiv einzusetzen, ist zwar richtig und wichtig, reicht allerdings nicht aus«, so Professor Dr. Médéric Diard, einer der Seniorautoren, in einer Pressemitteilung der ETH Zürich. Um die Verbreitung von Resistenzgenen einzudämmen, müsse man auch bei den resistenten Bakterien selbst ansetzen, zum Beispiel durch wirksamere Hygienemaßnahmen oder Impfungen.

Mehr zum Thema Antibiotika-Übergebrauch und Antibiotika-Resistenzen gibt es auf der pharma-world der expopharm. Es bildet das Schwerpunkt-Thema am pharma-world-Donnerstag.

Donnerstag, 12. September 2019|pharma-world|

pharma-world: Ausblick auf die Highlights

Während der Expopharm vom 25. bis 28. September in Düsseldorf findet in der Pharma-World wieder täglich ein hochkarätiges Vortragsprogramm statt. Mitorganisator Professor Theo Dingermann berichtet im Interview über das Programm und seine Highlights.

Avoxa: Auf welche Themenschwerpunkte kann sich der Besucher diesmal freuen?

Dingermann: Die Pharma-World eröffnet mit einem Vortrag , der viele interessieren könnte: „Gesundes Älterwerden – Was steckt in der Antiaging Pipeline?“ Danach steht das Thema Schlaf im Mittelpunkt, das im Beratungsalltag von großer Bedeutung ist. Der Donnerstag ist schwerpunktmäßig den Antibiotika gewidmet. In Vorträgen und in einer Podiumsdiskussion wird das wichtige Thema umfassend behandelt. Den Freitag kann man getrost mit „Cannabis-Tag“ überschreiben. An diesem Tag kann man sehr viel lernen. Eine kleine Auswahl der Themen lässt die Vielfalt erkennen: „Cannabis – Eindrücke aus Kanada“, „Medizinalcannabis – Die fünf wichtigsten Aspekte zum Umgang mit Blüten in Ihrer Apotheke“, „Cannabis- und Cannabinoid-Rezepturarzneimittel – in der Apotheke ‚Business as usual'“ und mehr. Zudem wird die Zubereitung einer Dronabinol-Rezeptur live demonstriert. Und der Samstag wird in bewährter Weise wieder als PTA-Tag organisiert. Dabei bildet die Rezeptur ein Schwerpunktthema. Zwei Live-Cooking-Slots stehen im Programm. Dabei wird unter anderem die gravimetrische Kapselherstellung live demonstriert.

Avoxa: Was sind Ihre persönlichen Highlights?

Dingermann: Für mich bildet der Cannabis-Tag einen Höhepunkt. Er bietet die Gelegenheit für jeden, der noch keine feste Meinung zum Cannabiseinsatz in der Medizin hat, sich noch einmal genau zu informieren. Schließlich ist es das Besondere an dem Pharma-World-Format, dass man kommen und gehen kann wie man will, um so den Messebesuch mit einer Prise individueller Fortbildung zu kombinieren. Einen Anreiz für einen Besuch bildet sicher auch die Möglichkeit, das eigene Fortbildungskonto aufzustocken. Denn alle Vorträge sind bei der Apothekerkammer Nordrhein akkreditiert.

„Das Besondere am Pharma-World-Format ist, dass man kommen und gehen kann wie man will, um den Messebesuch mit einer Prise individueller Fortbildung zu kombinieren.“ Professor Theo Dingerman

Avoxa: Die Pharma-World gibt es seit 2013. Wie haben sich Vortrags­programm und Ausstellung bis heute entwickelt?

Dingermann: Die Pharma-World ist als ein niederschwellig zugängiges Fortbildungsformat auf einer Industriemesse zu sehen. Hier hält man inne, trinkt einen Kaffee und lauscht Vorträgen, die meist sehr renommierte Experten präsentieren. Zudem ist das Format als Ideen­geber für vertiefende Besuche bei den Ausstellern gedacht. Dass das Pharma-World-Format sehr erfolgreich ist, ist unter anderem auch dadurch dokumentiert, dass auf der Bühne bisher 179 Vorträge und 26 Podiumsdiskussionen präsentiert wurden. Seit letztem Jahr bieten wir zudem geführte Besuche bei den Firmen an, die ihre Produkte im Bereich der Pharma-World präsentieren. Sicherlich zählen auch die Podiumsdiskussionen zu den Highlights, denn hier diskutieren Experten miteinander. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: der pharmazeutischen Industrie, der Politik, den Krankenkassen, der Medizin und natürlich auch aus der Apothekerschaft. Wer hier diskutiert, verrät ein Blick ins Programmheft zur Pharma-World, das online unter expopharm.de zu finden ist.

Avoxa: Die Vorträge der vergangenen Jahre sind ja auch als Video auf Youtube verfügbar – warum lohnt sich trotzdem der Weg nach Düsseldorf?

Dingermann: Live einem Event beizuwohnen, ist immer etwas anderes, als die Information aus der Konserve zu beziehen. Und dennoch haben auch die Videos ihren Wert. Es gehört heute schon fast zum Standard, wertvolle Information zu archivieren und jederzeit an jedem Ort abrufbar vorzuhalten. Diesem wichtigen Trend wollen natürlich auch wir uns nicht verschließen.

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung Ausgabe 28/ 11.07.2019

Montag, 15. Juli 2019|pharma-world|

pharma-world | Antibiotika vermeiden – gezielt beraten

„Antibiotika retten Leben, zum Beispiel bei schweren bakteriellen Erkrankungen wie Pneumonie oder Perikarditis“, betonte Professor Dr. Adrian Gillissen, Reutlingen und Bad Urach, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. Gegen Viren, Pilze und Parasiten sind sie hingegen wirkungslos. Darüber hinaus kann ihr Einsatz zur Bildung resistenter Bakterienstämme führen. Zwei Gründe, um ihre Anwendung in diesen Fällen zu vermeiden.

Das gelte auch für den akuten Husten, der meist viral bedingt sei, führte Gillissen weiter aus. Als akut bezeichnet man Hustenbeschwerden, die bis maximal acht Wochen dauern. Häufig verschwinden sie von selbst wieder, beeinträchtigen die Patienten jedoch oft sehr. Untersuchungen zeigen, dass Patienten nicht selten auch bei diesen Beschwerden auf die Verordnung eines Antibiotikums hoffen oder diese erwarten. Hier sei die Beratung der Patienten besonders wichtig, so Gillissen. Als wirksame und gut verträgliche Therapieoption nannte er verschiedene pflanzliche Arzneimittel, die die Symptome lindern und den Heilungsverlauf unterstützen.

Den vollständigen Vortrag gibt es in diesem Video:

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Mittwoch, 29. Mai 2019|pharma-world|

pharma-world | Was hätte Dr. Schüßler geraten?

„Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ lautet der Grundsatz der Homöopathie. Der Grundsatz der Biochemie nach Dr. Schüßler schließt daran an: „Fehlendes wird durch Fehlendes ersetzt“. Ein biochemisches Salz wie Magnesium phosphoricum könne fehlendes Magnesium zwar nicht direkt ersetzen, es könne jedoch dessen Aufnahme fördern, informierte Apotheker Thomas von Künsberg Sarre, Fellbach, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. Er stellte Schüßler-Kombinationen vor, die Therapien mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ergänzen können.

So kommt etwa bei entzündlichen Reaktionen eine Kombination aus Ferrum phosphoricum D12 (Schüßler Salz Nr. 3), Kalium chloratum D6 (Nr. 4) und Kalium sulfuricum D6 (Nr. 6) zum Einsatz. Schüßler orientiere sich mit seinen Empfehlungen genau am Verlauf der Entzündungsstadien, sagte Künsberg Sarre. Nr. 3 wirke der Sauerstoff-Unterversorgung im Bindegewebe entgegen, Nr. 4 unterstütze die Ausleitung und Nr. 6 die Zellerneuerung. Für die Einnahme gelten dieselben Empfehlungen wie in der Homöopathie: ausreichend Abstand zu den Mahlzeiten und dem Zähneputzen, die Tabletten langsam im Mund zergehen lassen.

Den vollständigen Vortrag mit vielen Hintergrundinfos und Empfehlungen zu zahlreichen weiteren Erkrankungen gibt es hier:

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Donnerstag, 23. Mai 2019|pharma-world|

pharma-world | Vitalpilze: Neu auf der pharma-world

Vitalpilze sind Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin, in den Apotheken und auf der pharma-world zählten sie bisher zu den Exoten. Was Vitalpilze möglicherweise bewirken und auf welche Weise dies geschehen könnte, waren zentrale Fragen sowohl des pharma-world-Vortrages von Heilpraktiker Alexander Baur-Schall als auch des Fachinterviews am Stand von Hennig Arzneimittel, das von Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, moderiert wurde.

Insbesondere die enthaltenen Polysaccharide sehe man als zentrale Bestandteile für die Effekte an, erläuterte Baur-Schall im Vortrag und im anschließenden Interview. Sie seien in der Lage, das Immunsystem modulierend zu beeinflussen. Die Mechanismen sind bisher weitgehend unbekannt. Denkbar sei ein Effekt auf das Darmmikrobiom und auf die Peyer-Plaques – zusammenhängenden Lymphfollikeln, die sich im gesamten Dünndarm befinden, vor allem im Krummdarm und im Wurmfortsatz, sagte Dingermann. Polysaccharide könnten dabei möglicherweise „wie ein Externum“ verhalten, also prä- oder probiotisch, aber ohne dass eine Resorption stattfinde. Dennoch sei eine Reaktion des „größten Immunorgan des Körpers“ vorstellbar. Es spreche daher nichts gegen einen Heilversuch. Wichtig sei, ein Ziel hinsichtlich des Effektes und des Zeitraumes zu setzen, um zu überprüfen, ob man auf den Einsatz anspreche.

Den vollständigen Vortrag von Alexander Baur-Schall gibt es im Video.

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Mittwoch, 8. Mai 2019|pharma-world|

pharma-world | Hustenmedikamente im Spannungsfeld

Welche Wirkstoffe eignen sich zu Linderung akuter Hustenbeschwerden? Die Beantwortung dieser Frage fällt trotz breiter Palette an Therapieoptionen mitunter nicht leicht. So sei die Datenlage aus klinischen Studien zu den verschreibungspflichtigen Antitussiva Codein und Dihydrocodein „übersichtlich“, obwohl es jahrelange praktische Erfahrungen mit der Anwendung gebe, sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Universität Frankfurt am Main, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm.

Eher unübersichtlich ist hingegen der Bereich der pflanzlichen Expektoranzien. „Es bedarf der Expertise und Recherche, um herauszufinden, was zu empfehlen ist,“ erläuterte Schubert-Zsilavecz weiter. Einige Beispiele: Produkt-spezifische Daten liegen demnach für Eukalyptusöl-haltige Arzneimittel vor. „Sie rechtfertigen einen indikationsgemäßen Einsatz nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin“, so der Referent. Zur klinischen Wirksamkeit von Efeu-Zubereitungen wurde eine Vielzahl von Daten veröffentlicht. Diese belegten die Wirksamkeit von Efeu-Extrakten bei akuten und chronischen Bronchitiden; allerdings hatten einige Studien Mängel im Design. Für den ethanolischen Extrakt EPs 7630 aus Pelargonium sidoides liegen Daten aus acht klinischen Studien vor, die den indikationsgemäßen Einsatz des Arzneistoffes rechtfertigen. Wichtig sei, die einzelnen Extrakte hinsichtlich der Evidenz stets differenziert zu betrachten, betonte Schubert-Zsilavecz.

Keine zugelassenen Arzneimittel gibt es hingegen zur Behandlung des chronischen Hustens. Neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie haben jedoch zur Entwicklung potenzieller Arzneistoffe geführt. Schubert-Zsilavecz nannte unter anderem P2X2/3-Antagonisten und stufte sie als erfolgversprechend ein. Ihre Wirkung beruht darauf, im Lungengewebe pathophysiologisch erhöhte ATP-Konzentrationen zu senken und damit die Hustenreizschwelle anzuheben. Der P2X2/3-Antagonist Cefapixant befindet sich in der späten Phase der klinischen Zulassung.

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Dienstag, 23. April 2019|pharma-world|

pharma-world | Chronischer Husten: Das ungelöste therapeutische Problem

Dauern Hustensymptome länger als acht Wochen, spricht man von einem chronischen Husten. Häufig – doch nicht immer – lasse sich eine Grunderkrankung wie ein Asthma bronchiale oder eine Allergie feststellen, erläuterte Dr. Peter Kardos, Frankfurt am Main, in seinem Vortrag auf der pharma-world in München.

Die Symptome mancher Patienten besserten sich trotz spezifischer Therapie, etwa des Asthmas oder einer Refluxerkrankung, nicht. Beim refraktären chronischen Husten treten die Beschwerden spontan oder durch spezielle Reize ausgelöst praktisch ausschließlich tagsüber oder beim Schlafengehen auf, nicht jedoch nachts. Als auslösende Reize kommen beispielsweise Parfüm oder Zigarettenrauch infrage, aber auch der Wechsel von kalter zu warmer Luft, etwa beim Betreten der warmen Wohnung im Winter. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, besonders häufig Frauen ab der Menopause.

Bereits das Lutschen von Bonbons oder Pastillen könne bei manchen Patienten die Symptome bessern, sagte Kardos weiter. Dazu trage auch der enthaltene Zucker bei, der Hustenrezeptoren im Rachenbereich beruhige. Auch bei Antitussiva zeigten Sirupe eine bessere Wirkung als Kapseln oder Tabletten. Off Label würden aber auch erfolgreich Amitriptylin, Gabapentin oder Pregabalin verwendet, die auch bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen zum Einsatz kommen. Ansatzpunkt für zukünftige Arzneistoffe gegen refraktären chronischen Husten stellt der P2X3-Rezeptor in den Atemwegen dar, der eine zentrale Rolle bei der Sensibilitätserhöhung spielen.

Viele spannende Details zum chronischen Husten gibt es im Video des Vortrags.

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Donnerstag, 11. April 2019|pharma-world|

pharma-world | Neue Wirkstoffe in der Migräne-Prophylaxe

Die kürzlich zugelassenen monoklonalen Antikörper zur Migräne-Prophylaxe standen im Fokus des Vortrages von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt am Main. Deren Besonderheit: Anders als die hierfür bisher zur Verfügung stehenden Arzneimittel wurden sie ausdrücklich für dieses Anwendungsgebiet entwickelt.

Die neuen Wirkstoffe adressieren einen Schlüsselmediator der Migräne, das Calcitonin Gene Related Peptide (CGRP), das bei Migränikern in hoher Konzentration vorliegt. Sie blockieren entweder den CGRP-Rezeptor (wie Erenumab) oder CGRP selbst (wie Fremanezumab oder Galcanezumab). Fremanezumab ist bisher nur in den USA zugelassen, Galcanezumab ist noch nicht auf dem Markt. Studien zeigten, dass CGRP-Antagonisten dosisabhängig die Zahl der Migräne-Attacken reduzieren, ohne dass es zu Interaktionen mit anderen Neurotransmittern oder mit anderen Arzneistoffen kam, führte Schubert-Zsilavecz aus.

Das vollständige Migräne-Update 2018 – so der Titel des Vortrages – gibt es in diesem Video.

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Montag, 25. März 2019|pharma-world|

pharma-world | Coffein macht Analgetika schneller und stärker

Analgetika sind im Bereich OTC die am besten untersuchten Arzneimittel. Über Kombinationen mit Coffein informierte Professor Dr. Thomas Herdegen, Kiel, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. Angewendet werden rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel in zahlreichen Bereichen. So lindern die Wirkstoffe nicht nur Schmerzen sondern werden auch als Entzündungshemmer und zur Fiebersenkung verwendet.

Für Patienten spielt die Geschwindigkeit, mit der Kopfschmerz gebessert wird, eine wichtige Rolle. Zwar lasse sich diese durch eine Einnahme auf nüchternen Magen steigern, führte Herdegen aus. Doch im Alltag träten Kopfschmerzen meistens nicht dann auf, wenn der Magen leer sei. Der Zusatz von Coffein steigere nicht nur die Wirkgeschwindigkeit sondern verstärke auch nebenwirkungsfrei die Wirkung der analgetischen Substanz, sodass diese niedriger dosiert werden könne. Dadurch sinke das Risiko von Nebenwirkungen durch den Schmerzwirkstoff.

Als mögliche Kombinationspartner von Coffein nannte Herdegen Acetylsalicylsäure (ASS) und/oder Paracetamol sowie Ibuprofen. Coffein sei Studien zufolge im Dosisbereich von etwa 50 bis 150 mg ein zuverlässiges Koanalgetikum. Außerdem sei es in der Lage, den Ceiling-Effekt von Ibuprofen zu durchbrechen. Die Bedeutung des Wirkverstärkers Coffein spiegelt sich auch in der aktuellen Migräne-Leitlinie wider, in der die Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein als Mittel der 1. Wahl aufgeführt ist.

Das vollständige Video des Vortrages gibt es hier.

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Donnerstag, 7. März 2019|pharma-world|

pharma-world | Kapselherstellung: Gravimetrische Methode für niedrig dosierte Kapseln

Wiegen, wiegen, mischen, einfüllen, kontrollieren – fertig! Dass die gravimetrische Methode gar nicht so kompliziert ist, wie sie mitunter erscheint, demonstrierten in einem Live-Cooking auf der pharma-world die Apothekerinnen Dr. Julia Potschadel und Dr. Sandra Barisch. Die gravimetrische Methode kommt bei der Herstellung von niedrig dosierten Kapseln zum Einsatz – und nur dort, betonte Sandra Barisch. Für höher dosierte Kapseln und Kapseln, die aus Fertigarzneimitteln hergestellt werden, eignet sie sich nicht.
Oberflächeneffekte spielen dabei eine zentrale Rolle. Wichtig sei, den Kontakt der Wirkstoff-Hilfsstoff-Mischung mit Oberflächen zu reduzieren, erläuterte Julia Potschadel. „Dabei entstehende Anhaftungen bestehen eher aus Wirkstoff als aus Hilfsstoff, da letzterer diesbezüglich praktisch inert ist.“ Auf den Einsatz eines Messzylinders verzichtet man daher. Neben dem Einwaage-Korrekturfaktor und, falls erforderlich, einem Korrekturfaktor bei einer Wirkstoff-Siliciumdioxid-Vorverreibung spielt für die korrekte Dosierung ein spezifischer Wirkstoffzuschlag eine wichtige Rolle. Die Zuschläge für die einzelnen Wirkstoffe erarbeiten derzeit das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) und das Neue Rezeptur Formularium (NRF), etliche liegen bereits vor.

Das Live-Cooking zeigte auch, welche kleinen Nachlässigkeiten und Fehler sich zu einer deutlichen Qualitätsminderung addieren können – sogar in einer Messehalle und im direkten Vergleich zur korrekten Durchführung. Das belegte eindrucksvoll die abschließende Qualitätskontrolle mittels eines einfach anzuwendenden NRF-Excel-Tools.

Viele Details zur Herstellung niedrig dosierter Kapseln mit der gravimetrischen Methode gibt es im Video.

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Freitag, 8. Februar 2019|pharma-world|

pharma-world | Eigenherstellung: „Es geht mehr als nur Rezeptur.“

Mit Eigenherstellungen können Apotheken bei Kunden und Patienten punkten, doch viele schrecken bei der Herstellung von Defekturen, Standardzulassungen und unechten Hausspezialitäten vor allem wegen der erforderlichen Dokumentation zurück – unnötigerweise, wie Apotheker Lars Peter Frohn in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm ausführte.

Voraussetzung für eine Herstellung im Rahmen der Defektur ist eine häufige ärztliche Verordnung des entsprechenden Arzneimittels. Da es sich um eine „Rezeptur auf Vorrat“ handelt, entfalle eine explizite Plausibilitätsprüfung, erläuterte Frohn. Sie habe im Rahmen der Anfertigung als Rezeptur bereits stattgefunden.

Abschreckend wirke vor allem die Risiko-Bewertung, so der Referent weiter. Diese lasse sich jedoch auf der Grundlage der fünf geforderten Kriterien – jährliche Produktionsmenge, Applikationsart und Darreichungsform, inhärente Risiken des Wirkstoffs, Herstellungsprozess sowie Abgabe – sehr einfach durchführen. Letztendlich bedeute die Risikobewertung nicht einmal einen Mehraufwand, da der Prüfaufwand durch sie enorm reduziert werde.

Mit Hilfe des DAC lassen sich die Anfertigungen in drei Risiko-Klassen einteilen. Die Zuordnung lasse sich durch ein Online-Tool leicht und rasch erledigen. Auf der expopharm konnten Interessierte es sich beim DAC/NRF auf der Avoxa-Standfläche anschauen und sich die Anwendung von den Experten erklären lassen.

Den vollständigen Vortrag gibt es in diesem Video.

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Montag, 28. Januar 2019|pharma-world|