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expopharm 2019: Information, Orientierung und Inspiration

expopharm 2019 endet in Düsseldorf

Düsseldorf/Eschborn (28.9.2019) – Heute ist in Düsseldorf die expopharm 2019 zu Ende gegangen. Vier Tage lang bot die größte pharmazeutische Fachmesse Europas mit über 500 Ausstellern und mehr als 29.000 Fachbesuchern aus dem In- und Ausland Information, Orientierung und Inspiration rund um den Apothekenmarkt. Zeitgleich fand auf dem Düsseldorfer Messegelände auch der Deutsche Apothekertag statt, auf dem zahlreiche zukunftsweisende Beschlüsse verabschiedet wurden.

2019 präsentierte sich die expopharm als der zentrale Marktplatz rund um die Apotheke mit einem stark erweiterten Vortrags- und Diskussionsprogramm. Thematisch lagen die Schwerpunkte auf der Digitalen Kundenbindung, dem Medizinal-Cannabis, der Rezeptur sowie auf Personal- und Apothekenmanagement. Hier wurden mit über 250 Vorträgen und Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen und Workshops von mehr als 130 Referenten ein umfassendes Programm nicht nur für Apothekenleiter, sondern auch für Filialleiter, junge Apotheker, PTA und Studierende geboten.

„Die Apotheken befinden sich in Zeiten großer Herausforderungen. Daher war es unser Ziel, Wissen und Orientierung zu bieten und gleichzeitig viele Möglichkeiten für den Austausch mit Kollegen und Referenten zu schaffen“, erläuterte Metin Ergül, Geschäftsführer der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker, die die expopharm ausrichtet. „Um die neuen Formate praxisnah und alltagstauglich umzusetzen, hat die Avoxa seit der letzten expopharm viele Gespräche mit Apothekeninhabern und -mitarbeitern geführt. Darauf aufbauend haben wir  neue Formate entwickelt, die das Angebot unserer Aussteller ergänzen.“ Zudem haben die Messeverantwortlichen auch über den Tellerrand des Apothekenmarktes hinausgeschaut und Technologien sowie Konzepte anderer Branchen in das Programm integriert.

Neben der bereits bekannten pharma-world als pharmazeutisches Herzstück der Messe wurde das neue inspirationLAB mit seinen zwei Bühnen und zahlreichen Workshop-Räumen hervorragend angenommen. Auch die Newcomer Area, auf der Start-ups erstmals ihre Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsideen im Rahmen der expopharm präsentierten, stieß auf lebhaftes Interesse der Fachbesucher und der Aussteller. Den ersten Rheinland-Pitch expopharm Special, bei dem sich im Finale am Donnerstag fünf junge Unternehmen mit ihren Geschäftsideen präsentierten, gewann das Start-up Biomes, das sich auf Darmflora Diagnostik spezialisiert hat.

In diesem Jahr bekamen insbesondere Apotheker Bühne und Reichweite, die ein Stück weit vorangehen und dazu bereit waren, als Impulsgeber ihre Ideen, Erfahrungen und Lösungen mit Kollegen zu teilen und so weitere Mitstreiter zu finden. Metin Ergül rief weitere „Leuchtturmapotheker“ ausdrücklich dazu auf, mit der Avoxa in Kontakt zu treten. Denn auch für die expopharm 2020 werden wieder Vorreiter gesucht. Dahinter steckt das Ziel, die expopharm sukzessive den Apothekern zu übergeben. „Die expopharm soll und wird daher noch mehr Information, Orientierung und Inspiration zu den zukünftigen Themen und Herausforderungen liefern“, so Ergül.

Im nächsten Jahr findet die expopharm vom 7. – 10. Oktober in München statt.

Pressekontakt:
Elmar Esser
E-Mail: presse@expopharm.de

Die Pressemitteilung können Sie auch hier downloaden.

Montag, 30. September 2019|Messe, Presse, TOP News|

Besucherstimmen expopharm 2019

Claudia Maria Hecker, Inhaberin Apotheke am Klemensplatz, Düsseldorf:

Was hat Ihnen in diesem Jahr besonders gefallen?

„Ein Tag reicht nicht! Bei der diesjährigen expopharm war ich positiv überrascht über das vielfältige Angebot auf der Messe. Neben den üblichen Ausstellern und den guten fachlichen Vorträgen auf der pharma-world gab es diesmal zusätzlich auch kurze Vorträge im inspirationLAB.

Was hat Sie auf der expopharm besonders inspiriert?

Im inspirationLAB konnte man viele Ideen zum Thema Digitalisierung sammeln, die ich für den Apothekenalltag für wichtig halte. Bei allen Vorträgen standen hinterher die Referenten für persönliche Fragen zur Verfügung. Zwischen dem Rundgang auf der Messe und evtl. Terminen bei den Ausstellern hatte man nie Leerlauf. Im Gegenteil, der Tag hat für die vielen interessanten Vorträge und Rundgänge nicht ausgereicht! Beim nächsten Mal plane ich mehr Zeit ein.“

Dr. Ina Lucas, Inhaberin Lichtenberg Apotheke, Berlin:

Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

„Ich konnte jede Menge hochwertige Kontakte knüpfen und zahlreiche gute Gespräche führen. Weiterhin ein sehr guter Treffpunkt für die Branche.“

Wie hat Ihnen das neue Format inspirationLab gefallen?:

„Das InspirationLab ist eine echte Bereicherung für die Messe und ihre Besucher und sollte künftig weiter ausgebaut werden. Die Mischung der Präsentationen aus dem Bereich Pharmazie und neuen Themenblöcken wie Digitalisierung, Kommunikation und Führung ist gut gewählt und zukunftsweisend.“

Dr. Björn Schittenhelm, Inhaber Alamannen-Apotheke, Holzgerlingen

Was hat Sie auf der expopharm besonders inspiriert?

„Ganz besonders gefallen haben mir die neuen Formate der Messe. InspirationLab und die Netzwerk-Area. Der persönliche Austausch von Kollege zu Kollege und damit verbunden das Erleben von Best Practise Beispielen ist enorm wichtig und spannend!“

Welchen Mehrwert nehmen Sie von der Messe mit in Ihre Apotheke?

„Ich nehme von der Messe mit, dass der Markt sich endlich bewegt. Sowohl die Industrie, die auf Kooperation setzt, als auch die Kollegen, die den digitalen Wandel anpacken wollen.“

David Miller, Filialleiter Apotheke am Bügel, Frankfurt:

Was hat Ihnen in diesem Jahr besonders gefallen?

„Ich habe in diesem Jahr die expopharm auch als Ort der Fortbildung in Form von Seminaren und Workshops wahrgenommen. In den von mir besuchten Veranstaltungen wurde tolles Hintergrundwissen unabhängig und transparent vermittelt. Gerade diese neutrale Meinung und Informationsweitergabe schätze ich sehr, da es in der heutigen Zeit sehr schwierig ist, den Überblick zu behalten.“

Welchen Mehrwert nehmen Sie von der Messe mit in Ihre Apotheke?

„Der „expopharm-Mehrwert“, der mich auch die letzten Jahre schon nach München und Düsseldorf hat reisen lassen, ist ganz einfach der, dass man hier den aktuellen Stand der Pharmazie auf einen Ort komprimiert bekommt. Sei es von der Apothekeneinrichtung zur Finanzierung, vom Softwarehaus zum Botendienst, von Produktneuheiten und „alt bekanntem“ – hier ist das gesamte Geschehen in und um die Apotheke vertreten. Neue Produkte kennenzulernen und darüber informiert zu werden ist gerade für HV Kräfte unumgänglich, denn: Wer viel weiß, berät auch gut vor Ort – und wer gut berät, der macht auch Umsatz und erhält seinen Kundenstamm.“

Steffen Schmidt, Apotheke am Bahnhof, Reken:

Was hat Ihnen in diesem Jahr besonders gefallen?

„Ich finde es toll, wie die expopharm sich weiterentwickelt hat. Besonders in diesem Jahr wurden innovative Formate angeboten, die tolle Impulse geben und zeigen, wie interessiert die Kollegenschaft an neuen Inhalten ist. Die Kombination von neuen Formaten, bewährten Angeboten und interessanten Ausstellern war dieses Jahr definitiv ein Highlight!“

Welche persönlichen Erlebnisse verknüpfen Sie mit der expopharm?

„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich mich mit interessanten Menschen austauschen kann. Egal, ob man alte Bekannte aus ganz Deutschland wiedertrifft oder Kollegen das erste Mal begegnet: für beides ist die expopharm der richtige Ort!“

Melanie Dolfen, Inhaberin Bezirksapotheke, Berlin:

Welche persönlichen Erlebnisse verknüpfen Sie mit der expopharm?

„Der diesjährige Schwerpunkt Medizinal Cannabis hat mir bestätigt, dass dieses Thema zwar aktuell ist, aber nach wie vor großer Handlungs- und Informationsbedarf besteht. Sowohl das große Interesse an meinen Vorträgen als auch der darauffolgende Austausch mit Kollegen und Teilnehmern aus verwandten Branchen hat gezeigt, dass das Thema auch in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen wird. Ich fand es sehr begrüßenswert, dass durch den Zusammenschluss mehrerer Aussteller auf einer Standfläche dieses Jahr auch viele kleinere Unternehmen die Möglichkeit wahrnehmen konnten, sich einem breitem Publikum zu präsentieren.“

Wie hat Ihnen das neue Format inspiration LAB gefallen?

„Das neue Format aus Vorträgen, Workshops und informativen Rundgängen hat mir sehr gut gefallen. Das Konzept der in die Messe integrierten Bühnen bricht die Struktur des herkömmlichem Messecharakters auf und ermöglicht eine freie Gestaltung des persönlichen Programms. Der große Andrang hat gezeigt, dass dieses Format durchaus das Potenzial besitzt, die entsprechenden Flächen künftig auszubauen.“

Simon-Peter Skopek, Inhaber Schwarzwald-Apotheke Königsfeld:

Wie hat Ihnen das neue Format inspirationLAB gefallen?

„Das neue Format inspirationLAB hat mich sehr beeindruckt. Im Rahmen der Messe Themen der unterschiedlichen Berufsgruppen aufzugreifen und diese in kleinen Gruppen zu bearbeiten finde ich sehr gut. Es ist ein innovatives Format, dass sonst in Form der Webinaren angeboten wird und trifft dadurch absolut den Puls der Zeit!“

Welche persönlichen Erlebnisse verknüpfen Sie mit der expopharm?

„Ich verbinde mit der expopharm einen intensiven Austausch mit Firmen und Kollegen. Die expopharm ist eine tolle Möglichkeit Netzwerke zu bilden, die einem im Apothekenalltag helfen und einen immer wieder neu motivieren!“

Die Besucherstimmen 2019 können Sie auch hier runterladen.

Montag, 30. September 2019|Messe, Presse|

Ausstellerstimmen expopharm 2019

Joachim von Morstein, Geschäftsführer ADG Apotheken-Dienstleistungsgesellschaft mbh: „Mit dem Verlauf der diesjährigen expopharm sind wir mehr als zufrieden. Es bot sich mal wieder eine ideale Gelegenheit, um Kunden, Partner und Interessenten zu treffen. Zahlreiche Besucher fanden den Weg zu unserem gemeinsamen Messestand mit der PHOENIX, um sich über unsere Produkte und Neuheiten zu informieren. Dabei haben wir sehr viele positive Rückmeldungen von Seiten der Apothekenleiter/innen erhalten. Die Organisation der Messe in diesem Jahr war gut und bot ein interessantes Rahmenprogramm für die Besucher. Wir freuen uns schon auf die expopharm 2020.“

Bernward Adams, Geschäftsführer Vertrieb und Service CGM LAUER: „Auf der expopharm 2019 haben wir zum ersten Mal unsere neue Software WINAPO®ux vorgestellt und ein durchweg positives Feedback von unseren Besuchern erhalten. Darüber hinaus waren die Telematikinfrastruktur und das eRezept die am häufigsten nachgefragten Themen bei uns am Messestand. Neben der Kundenfrequenz war auch die Qualität der Besucher in diesem Jahr hervorragend für uns – was sich auch im Umsatz wiederspiegelt. Besonders gefreut haben wir uns über die positiven Reaktionen auf unseren Markenwechsel von Lauer-Fischer auf CGM Lauer und die damit in den Fokus gerückte Fokussierung auf den eHealth-Bereich.“

Tobias Meyer, Sprecher der Geschäftsführung Treuhand Hannover: „Die Apothekenbranche befindet sich momentan aufgrund der Digitalisierung und der unsicheren politischen Rahmenbedingungen in einem dynamischen Veränderungsprozess. Für uns als Treuhand Hannover ist die expopharm eine hervorragende Möglichkeit, mit den Apothekerinnen und Apothekern in den Dialog zu treten und Lösungen für die ökonomischen und strategischen Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln und umzusetzen.“

Udo Weller, Marketing Manager BD Rowa Germany GmbH: „Die expopharm ist für uns immer wieder ein wichtiger Treffpunkt, um Bestandskunden unsere Neuheiten zu präsentieren, aber auch um neue Interessenten für unsere Lösungen zu begeistern. Das neue Format „inspirationLab“ sowie die Digitalrundgänge bilden dazu eine gute Ergänzung.“

Katrin Hermann, Geschäftsführerin Deutschland-Österreich-Schweiz Caudalie GmbH: „Die expopharm 2019 war ein voller Erfolg für unser Unternehmen. Wir haben viele erfolgreiche Gespräche mit Kunden und potentiellen neuen Partnern führen können. Das allgemeine Feedback auf unsere Produkte hat unsere Erwartungen sogar übertroffen. Es zeigt sich immer wieder, dass die expopharm als Plattform für uns wichtig ist, um unsere Produkte im Apothekenmarkt zu präsentieren. Auch die Messeorganisation war wie jedes Jahr perfekt. Auf der expopham 2020 in München sind wir selbstverständlich wieder dabei.“

Harald Steiner, Prokurist & Vertriebsleiter Dr. Hobein GmbH: „Unser gesamtes Team ist begeistert von der diesjährigen expopharm hier in Düsseldorf. Wir hatten eine tolle Zeit mit vielen wertigen und interessanten Gesprächen sowie hohen Zuspruch für unsere neue Markendarstellung. Diese durchweg positive Resonanz der zahlreichen Standbesucher auf den verjüngten neuen Spirit von EUBOS hat uns motiviert, diesen erfolgreichen Weg weiter zu gehen. Für Dr. Hobein war die Messe ein fantastischer geschäftlicher Erfolg und unser Ziel, die Marke neu zu positionieren, ist absolut erreicht worden. Auch die Messeleitung unterstützte uns in der Organisation von Anfang bis Ende und ließ keine Fragen offen. Nach diesem großen Messeerfolg freuen wir uns auf München im nächsten Jahr und werden dann auch weitere Veranstaltungsangebote nutzen, um Fachbesucher optimal ansprechen zu können.“

Dr. Michael P. Kuck, Vorstandsvorsitzender der NOWEDA: „Wir freuen uns, dass wir auch 2019 mit einem NOWEDA-Stand auf der expopharm vertreten waren. Die Messe bietet uns jedes Jahr eine hervorragende Möglichkeit, um Kontakte zu unseren Mitgliedern, Kunden und Marktpartnern zu pflegen und auszubauen. In diesem Jahr war insbesondere unser ‚Zukunftspakt Apotheke‘ ein zentrales Thema. Den Auftritt auf der expopharm haben wir daher nicht zuletzt dazu genutzt, um uns auch zu diesem Thema intensiv mit Apothekerinnen und Apothekern auszutauschen. Ihr Feedback werden wir für eine kundenorientierte Weiterentwicklung des Zukunftspakts Apotheke nutzen. Wir freuen uns schon auf die nächste expopharm 2020 in München!“

Die Ausstellerstimmen 2019 können Sie auch hier runterladen.

Montag, 30. September 2019|Messe, Presse|

Rezepturherstellung: Suspensionen galenisch komplex

Ein wesentlicher Vorteil von Suspensionen ist ihre flexible Dosierbarkeit. „Doch gegenüber festen Darreichungsformen sind sie aufwendiger in ihrer Konzeption und chemisch, physikalisch und mikrobiologisch weniger stabil“, sagte Dr. Holger Reimann, Leiter des Zentralen Prüflabors des Deutschen Arzneimittel Codex (DAC), auf einem Workshop im Rahmen der Expoharm.

Vor Herstellung einer Suspension müsse das galenische Konzept überprüft werden, verdeutlichte Reimann. Oft würden sie in der Pädiatrie verordnet. „Hier gilt es, sicherzustellen, dass alle Bestandteile für die Anwendung bei Kindern geeignet sind“, sagte er. So darf zum Beispiel das Konservierungsmittel Propyl-4-hydroxybenzoat (Propylparaben) nicht bei Kindern und Schwangeren eingesetzt werden. Untersuchungen haben eine östrogenähnliche Wirkung des Parabens gezeigt, welche die Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen kann. Alkohole und Propylenglycol als Vehikel sollten in der Pädiatrie ebenfalls vermieden werden.

Mit Kolbenpipetten lassen sich Suspensionen besonders genau dosieren. / Foto: Getty Images/Fernando Trabanco Fotografia

Bei der Herstellung selbst können verschiedene kritische Punkte auftreten. Um die Dosiergenauigkeit sicherzustellen, sollte der Wirkstoff homogen in der Grundlage verteilt und die Suspension leicht zu homogenisieren sein. Das DAC/NRF beurteilt die Aufschüttelbarkeit in drei Stufen: Bei Stufe 1 ist die Suspension bereits nach drei Kippbewegungen (um 180°) homogen. Auf Stufe 2 reicht leichtes Schütteln aus, Stufe 3 erfordert kräftiges Schütteln. Reimann betonte: „Suspensionen der Stufe 3 eignen sich für die Praxis weniger.“

Da es sich bei Suspensionen um eine volumendosierte Arzneiform handle, müsse man auch bei der Herstellung volumenbasiert arbeiten. In der Praxis bedeute dies, die Wirkstoffanreibung in einen Messzylinder zu überführen und mit Grundlage bis zum Zielvolumen aufzufüllen. Anschließend wird die Suspension aus den Messzylinder in das Abgabegefäß überführt. Hier sieht Reimann ebenfalls einen kritischen Schritt. Häufig sei die vollständige Entleerung des Messzylinders nicht möglich und Wirkstoff gehe verloren. Reimann empfiehlt hier, gravimetrische Verfahren anzuwenden, wenn die Dichte der resultierenden Lösung bekannt ist. Außerdem könnten PTA und Apotheker auf standardisierte Zubereitungen des DAC/NRF zurückgegriffen werden.

Verpackung beachten
Bei der Konfektionierung rät Reimann, bereits vor der Herstellung zu überprüfen, ob alle notwendigen Teile vorhanden sind und auch zueinander passen. Verschiedene Hersteller bieten oft unterschiedliche Steckeinsätze, Verschlüsse und Dosiervorrichtungen an – für pädiatrische Verordnungen enthalten die Verschlüsse eine Kindersicherung.

Bei Suspensionen sind entsprechende Dosierungvorrichtungen fast immer notwendig. Laut Reimann bedürfen alle Vorrichtungen der Erklärung für den Patienten. Dosierlöffel und Becher hält er für weniger geeignet. Untersuchungen hätten gezeigt, dass hier Fehldosierungen von 50 bis 100 Prozent auftreten können. Daneben gibt es Pumpvorrichtungen sowie Kolbenpipetten, auch bekannt als Dosierspritze. Als Mittel der Wahl empfiehlt Reimann letztere. Der Patient kann hiermit besonders genau dosieren. Allerdings muss er die Einteilung der Spritze korrekt ablesen. Außerdem sollte die Apotheke Eltern noch einmal auf die korrekte Handhabung hinweisen: Sie dürfen die Suspension nicht in den Rachen spritzen, sondern sollen sie langsam in die Backentasche des Kindes einträufeln.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 27.09.2019 von Michelle Haß

Samstag, 28. September 2019|Messe|

Rezeptur-Rundgang: Neuigkeiten für Labor und Rezeptur

Anknüpfend an den Erfolg der Rundgänge im vergangenen Jahr führten Dr. Michael Hörnig, Leiter des DAC, und Dr. Stefanie Mehlhorn, Apothekerin und Redakteurin beim DAC/NRF, auch dieses Jahr wieder interessiert Besucher über die pharmazeutische Fachmesse in Düsseldorf.

Dr. Michael Hörnig und Dr. Stefanie Mehlhorn informierten auf der Expopharm auch in diesem Jahr wieder über die Themen Rezeptur und Labor. / Foto: PZ/Alois Müller

„Wirkstoffmonographien sind im DAC zu finden, Prüfvorschiften und alternative Nachweismöglichkeiten im NRF. Doch hat man als Apotheker auch die Möglichkeit andere Identitätsprüfungen im Labor anzuwenden, wenn sie zu vergleichbar guten Ergebnissen führen“, informierte Hörnig. Eine Variante sei die Nahe Infrarotspektroskopie. Hier präsentierten sich gleich zwei Aussteller: Apoident und Wepa haben Geräte im Angebot, die die Wirk- und Hilfsstoffprüfung im Labor vereinfachen können.

Die Firma Wepa zeigte zudem bei dem Rundgang ihre neue Laborsoftware, die es ermöglicht, alle Geräte miteinander zu vernetzen. Daten wie Prüfprotokoll, Einwaagewerte, oder Parameter von automatischen Rührsystemen werden zentral in einer Cloud gespeichert. Diese Lösung basiert auf dem Programm Labor+ der Avoxa Tochterfirma Pharma4you. „Wenn es um technische Innovationen geht waren Apotheker immer an vorderster Front dabei. Nun gibt es die Möglichkeit in Labor und Rezeptur durch vollständige Vernetzung die Prozess-Sicherheit deutlich zu erhöhen“, bemerkte Hörnig. Mit den Programmen von Wepa oder Pharma4you könne auch die Endkontrolle von Defekturen deutlich vereinfacht werden, da die Sicherheit durch den Herstellungsprozess gewährleistet werde.

Neuigkeiten gab es auch bei den beiden Herstellern Caelo und Bionorica. So präsentierte Caelo beispielsweise ein Dronabinol Wirkstoff-Set, dass seit Juni diesen Jahres im Handel ist und berichtete über Cannabis-Blüten in der Varietät 20/1 DAB (THC/CBD), die ab dem 1. Oktober 2019 neu im Sortiment sind. Bionorica führt Dronabinol-Präparate bereits seit 2002. Hilfreich bei der Berechnung des Abgabepreises von Dronabinol-Rezepturen kann eine Taxierungshilfe von Bionorica in Form einer Drehscheibe sein. Auf einen Blick sind hier die Zwischensummen der einzelnen Komponenten ersichtlich.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 28.09.2019 von Caroline Wendt

Samstag, 28. September 2019|Messe|

Expopharm: Neues Konzept ein voller Erfolg

Mehr als 250 Vorträge, über 500 Aussteller und mehr als 29.000 Fachbesucher – die Expopharm, Europas größte pharmazeutische Fachmesse, geht heute nach vier Tagen zu Ende. Es werden bereits Apotheker mit frischen Ideen für die Expopharm 2020 in München gesucht.

Ob geführter Messe-Rundgang, pharmazeutische Fachvorträge bei der Pharmaworld oder neue Ideen für das Apothekenmanagement beim InspirationLab: Die Expopharm 2019 war an allen vier Tagen hervorragend besucht. / Foto: Expopharm

Das stark erweiterte Vortrags- und Diskussionsprogramm mit neuen Formaten war durchweg gut besucht. Thematisch lagen die Schwerpunkte auf der digitalen Kundenbindung, medizinischem Cannabis, der Rezeptur sowie auf Personal- und Apothekenmanagement. Das Programm hatte für verschiedene Zielgruppen zahlreiche Veranstaltungen im Programm, vom Apothekeninhaber über Filialleiter, junge Apotheker, PTA und Studierende.

„Die Apotheken befinden sich in Zeiten großer Herausforderungen. Daher war es unser Ziel, Wissen und Orientierung zu bieten und gleichzeitig viele Möglichkeiten für den Austausch mit Kollegen und Referenten zu schaffen“, erläutert Metin Ergül, Geschäftsführer der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker, die die Expopharm ausrichtet. „Um die neuen Formate praxisnah und alltagstauglich umzusetzen, hat die Avoxa seit der letzten Expopharm viele Gespräche mit Apothekeninhabern und -mitarbeitern geführt. Darauf aufbauend haben wir neue Formate entwickelt, die das Angebot unserer Aussteller ergänzen.“

Nicht nur die Pharmaworld als „pharmazeutisches Herzstück der Messe“ sei wieder sehr beliebt gewesen. Auch das neue InspirationLab mit seinen zwei Bühnen und zahlreichen Workshop-Räumen sei hervorragend angenommen worden, teilt die Avoxa mit. „Auch die Newcomer-Area, auf der Start-ups erstmals ihre Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsideen präsentierten, stieß auf lebhaftes Interesse der Fachbesucher und der Aussteller“, resümieren die Veranstalter. Darunter war auch das junge Unternehmen Biomes, das mit seiner Geschäftsidee einer Darmflora-Diagnostik den ersten Rheinland-Pitch Expopharm Special gewann.

Bühne frei für „Leuchtturmapotheker“
„In diesem Jahr bekamen insbesondere Apotheker Bühne und Reichweite, die ein Stück weit vorangehen und dazu bereit waren, als Impulsgeber ihre Ideen, Erfahrungen und Lösungen mit Kollegen zu teilen und so weitere Mitstreiter zu finden“, heißt es zum neuen Konzept. Wie immer gilt: Nach der Expopharm ist vor der Expopharm. Im nächsten Jahr findet Deutschlands wichtigste Messe für Apotheker vom 7. bis 10. Oktober in München statt.

Avoxa-Geschäftsführer Ergül rief bereits jetzt weitere „Leuchtturmapotheker“ ausdrücklich dazu auf, mit der Avoxa in Kontakt zu treten. Denn auch für die Expopharm 2020 werden wieder Vorreiter gesucht. Dahinter stehe das Ziel, die Messe sukzessive den Apothekern zu übergeben. „Die Expopharm soll und wird daher noch mehr Information, Orientierung und Inspiration zu den zukünftigen Themen und Herausforderungen liefern“, verspricht Ergül.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 28.09.2019

Samstag, 28. September 2019|Messe|

Kosmetik-Rundgang: Gut geschmiert

Mehr als 500 Aussteller zählt die diesjährige Expopharm, darunter etliche Hersteller von Kosmetik-Produkten. Geführte Rundgänge bieten einen tieferen Einblick.

„Mir ist es wichtig, den Apothekern und PTA auf dem Gebiet der Kosmetik einen ersten Überblick zu geben, was sie auf der Expopharm erwartet“, erklärte Dr. Sandra Barisch, selbst PTA, Apothekerin und Lehrerin an einer PTA-Schule. Die Rundgänge dauern eine Stunde, in dieser Zeit könne sie jedoch nur eine begrenzte Auswahl darstellen.

Sandra Barisch ist die PTA-Botschafterin von Avoxa und leitet die diesjährigen Kosmetik-Rundgänge über die Expopharm. / Foto: PZ/Alois Mueller

Dem Stand von Nuxe galt der erste Stopp. Das erste Produkt der Marke entstand aus Pragmatismus. „Eine junge Mutter hatte wenig Zeit für die tägliche Pflege und entwickelte deshalb ein Präparat, das sie sowohl für das Gesicht als auch für die Haare und den Körper nutzen konnte“, erfuhren die Teilnehmer. Dieses sogenannte Trockenöl enthält Spreitmittel, die ermöglichen, dass das Öl schnell einzieht. Inzwischen gibt es viele weitere Produkte, unter anderem ein Öl mit Goldpartikeln.

Doch nicht nur Pflege von außen sei wichtig, die Schönheit könne man auch von innen fördern, so die Experten am Stand von Pure encapsulation. „Die Nahrungsergänzungsmittel sind Mikronährstoffe in Kapselform.“ Viele dieser Produkte enthalten unter anderem Hyaluronsäure. Die Kapseln selbst bestehen aus reiner Zellulose. Einzig die Hülle der Omega-3-Kapseln enthalte Gelatine. Jedoch sei diese komplett aus Rinder-Gelatine. „Das ist ein wichtiger Aspekt für die Beratung“, betonte Barisch aus eigener Erfahrung.

Caudalie ist die Maßeinheit, die die Dauer des Verweilens der Aromastoffe von Wein im Mund nach dem Schlucken oder Ausspucken angibt. Des Weiteren ist es der Name der Kosmetik-Firma, an der die Gruppe ihren nächsten Halt einlegte. Die Wirkstoffe dieser Kosmetik stammen aus den Inhaltsstoffen des Weins. Insbesondere Resveratrol und oligomere Proanthocyanidine (OPC) seien hier besonders hervorzuheben. OPC wird aus Weintraubenkernen gewonnen und sei ein vielfach höheres Antioxidans als Vitamin E. Resveratrol stamme aus dem Holz der Weinrebe und wirke gefäßstabilisierend und straffend.

Danach führte Barisch die Teilnehmer zum Stand von Dr. Babor. Das Unternehmen arbeitete früher hauptsächlich mit Kosmetikinstituten zusammen, nutzt nun aber schon lange auch die Kompetenz der Apotheken. Bei einem Schnelldurchlauf durch das Sortiment erfuhren die Messebesucher, dass es neben verschiedenen Ampullen für jeden Hauttyp auch eine medizinische Serie gibt, die sich auf verschiedene Hautkrankheiten spezialisiert hat.

Champagner für die Haut bietet der Stand von Dr. Grandel. »Wir lassen es jetzt mal prickeln«, so die Ansage. Markenzeichen dieser Firma sind Kosmetika in Ampullenform. Bei Beratung und Anwendung sei es wichtig, dass die Anwender wissen, den gesamten Inhalt der Ampulle auf Gesicht, Hals und Dekokte zu verteilen.

Der Rundgang endete in der Lounge von PTA Forum live. Dort fanden die Teilnehmer Gelegenheit, ein wenig zu entspannen, sich auszutauschen und sich auf den nächsten Termin auf der Expopharm vorzubereiten.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 27.09.2019 von Caroline Wendt

Samstag, 28. September 2019|Messe|

Rheinland-Pitch expopharm special- Die besten Start-Ups 2019

Ganz große Bühne für die besten Start-Ups: Auf der expopharm hatten die fünf spannendsten Jung-Unternehmen im inspirationLAB die Chance, ihre Geschäftsmodelle zu präsentieren!

In Kooperation mit dem Start-Up Inkubator und Accelerator Startplatz fand am Donnerstag, 26.9.2019 von 15:30 bis 17:00 Uhr der Rheinland-Pitch expopharm Special statt. Der Rheinland-Pitch ist deutschlandweit der größte Pitch Wettbewerb für junge Unternehmen mit Wachstumspotential. Für Gründer eine einmalige Möglichkeit, Investoren, potentielle Kunden und Partner zu erreichen – und expopharm Besucher erlebten ein Best-Of der Neugründungen auf einen Schlag!

Folgende Startups waren am 26.9. mit dabei: Biomes (Darmflora Diagnostik), adiutaByte (Flotten- und Botendienstplanung), Previondo/Smokify (Rauchentwöhnung), Medipee (Urinanalyse), lamiloo (Botendienst-Logistik)

Biomes konnte sich unter allen Mitstreitern hervorheben und gewann den Rheinland-Pitch expopharm special mit Ihrem Beitrag zum Thema Darmflora Diagnostik. Wir gratulieren den Gewinnern Biomes!

Rheinland-Pitch expopharm special Teilnehmer und der glückliche Gewinner Biomes

Freitag, 27. September 2019|Messe, Presse|

pro AvO: Eine Plattform für alle

Pro AvO steht für „pro Apotheke vor Ort“. Damit ist das Ziel der Initiative auch schon klar: Die Position der lokalen Apotheken soll gestärkt werden. Beim Digitalisierungsrundgang auf der Expopharm erfuhren die Messebesucher, wie das geschehen soll.

Die Grundidee der Initiative ist, eine einheitliche Plattform zu schaffen, von der aus alle Apotheken erreichbar sind. „Was für Hotels die Internetseite booking.com ist, soll für die öffentliche Apotheke pro AvO werden“, berichtete Gudrun Kreutner vom Wort & Bild Verlag, während sie die Besucher über die Messe leitete. Dennoch benötigen die Apotheken einen eigenen Apothekenshop, so wie auch Hotels eine eigene Webseite haben. Die Plattform, die gemeinsam von BD Rowa, Gehe, Noventi, Sanacorp und dem Wort & Bild Verlag betrieben wird, erleichtere lediglich das Auffinden im Internet. Denn mit der Einführung des E-Rezeptes werde sich das Verhalten der Konsumenten ändern, darauf gelte es vorbereitet zu sein.

Die Rundgänge auf der Expopharm erfreuen sich auch in diesem Jahr großer Beliebtheit. / Foto: PZ/Alois Mueller

Der erste Schritt sei, dass die Patienten auf die Plattform aufmerksam würden. Das sei mithilfe des Wort & Bild Verlages möglich. Sowohl digital auf der Website, als auch analog in der „Apotheken-Umschau“ werde für die Plattform geworben. „Daraus ergibt sich eine enorme Reichweite“, erfuhren die Teilnehmer am Messestand des Verlags.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Caroline Wendt

Freitag, 27. September 2019|Messe|

Gesundheits-Apps: Digitale Gesundheitslösungen richtig planen

Denkansätze und Erfahrungswerte zu Gesundheits-Apps gab Christian Edel, Geschäftsführer der Online-Beratungsagentur Team ccAA und Dozent an der Fachhochschule in Köln im Rahmen des InspirationLab auf der Expopharm in Düsseldorf.

Gesundheits-Apps haben ein breites Potenzial: Sie können therapiebegleitend eingesetzt werden, etwa um Patienten an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern, oder als Gesundheitstagebuch dienen. Darüberhinaus können Apps zur Diagnose und Prävention von Krankheiten zum Einsatz kommen oder Wechselwirkungen aufdecken, erläuterte Edel. In jedem Fall müsse die Interaktion mit dem Nutzer immer im Vordergrund stehen, hob der Referent hervor.

Was zeichnet eine gute Gesundheits-App aus? / Foto: Adobe Stock/chinnarach

Doch was macht eine gute App aus? „Sie ist selbsterklärend, fehlerfrei, leicht zu bedienen und sieht gut aus“, so Edel. Die sogenannte Customer Journey, also die Erfahrung, die der Kunde bei der Benutzung mache, sei entscheidend. Je besser diese ist, desto besser ist auch die App. Denn nach dem Download müsse sich die App bewähren und dem Kunden im Alltag einen echten Mehrwert bieten.

Gleichzeitig warnte Edel vor einem Imageschaden durch schlechte Apps. Der Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt sei groß. Man solle sich deshalb bei der Bedienbarkeit, Funktionalität und Gestaltung immer an der Zielgruppe orientieren. So seien beispielsweise große Buttons und Schriften sinnvoll, wenn sich die App an die Generation 50+ richte. Außerdem gibt Edel zu bedenken, dass nicht immer eine App notwendig sei. Oft reiche es, die eigene Homepage so zu optimieren, dass die Inhalte gut über das Smartphone dargestellt werden.

Erfolgsmessung von Apps
Neben der Auswertung der Downloads, der Benutzungshäufigkeit und -dauer der App seien auch die Bewertungen in den Webstores eine gute Möglichkeit, den Erfolg zu messen. Zusätzlich geben Rezensionen in den Shops Hinweise darauf, ob Apps fehlerfrei funktionierten. Ebenfalls sage die Zahl der Deinstallationen oder die Abbruchrate bei der Benutzung einiges über die Qualität einer App aus. Edel empfiehlt zudem, eine Feedback-Möglichkeit mit Verbesserungsvorschlägen in die App zu integrieren.

Ob eine App von den Usern positiv aufgenommen wird, hänge darüberhinaus auch mit der Qualität der eigenen Internetverbindung zusammen, denn wenn die Ladezeiten zu lang sind, werde die App nicht genutzt. Indem Inhalte auch offline zur Verfügung stehen, also in die App integriert sind und nicht ständig über Server geladen werden müssen, kann dieses Problem verkleinert werden, erklärte der Referent.

Zur Finanzierung von Apps bieten sich neben dem Verkauf auch die Möglichkeit der Vermietung oder die Integration von Werbung an. Und auch Eigenwerbung sollten die Anbieter einer App nicht außer Acht lassen. Damit Nutzer auf eine App aufmerksam werden, ist nach Erfahrung des Referenten etwa 20 bis 40 Euro Investition in Social Media Promotion pro Download notwendig.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Julia Endris

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

E-Rezept: Alles startklar

Die bevorstehende Einführung des E-Rezepts beschäftigt die Apotheker. Dementsprechend groß war der Andrang beim Digitalisierungsrundgang „Telematik und E-Rezept“ bei der Expopharm in Düsseldorf.

Dr. Mathias Schindl erklärt die wichtigsten Grundbegriffe des E-Rezeptes beim Digitalisierungsrundgang auf der Expopharm. / Foto: PZ/Alois Mueller

Zukünftig gibt es Rezepte nicht mehr nur auf Papier, sondern auch als elektronischen Datensatz. „Das wird Konsequenzen mit sich bringen, auf die wir uns heute schon vorbereiten müssen“, betonte Dr. Mathias Schindl, Experte für Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Die erste Station des Rundgangs war der Messestand von CGM Lauer. Hier erfuhren die Teilnehmer, was das Wort „Telematik-Infrastruktur“ bedeutet: Es handelt sich um eine hoch sichere, digitale Autobahn, die alle Beteiligte – also beispielsweise Patient, Arzt und Apotheker – miteinander verbindet. Zugang zu diesem System haben nur autorisierte Personen, die Daten werden über End-to-End-Verschlüsselung übertragen. Um an dem Prozess beteiligt zu sein, braucht eine Apotheke einen Connector und pro Kasse ein Karten-Terminal. Der Connector bildet das Kernstück und verbindet die Apotheke mit dem Telematik-Netz, während das Karten-Terminal dazu dient, die elektronische Gesundheitskarte des Kunden auszulesen. Zudem erfassen die Terminals die Daten des elektronischen Heilberufeausweises (eHBA). Die Geräte erhalten die Apotheken bei ihren jeweiligen Software-Anbietern.

Weiter ging es zum Stand der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA). Hier erhielten die Messebesucher die Information, dass die Rezeptdaten an nur einem zentralen Ort gespeichert werden und keine Kopien erstellt werden. Denn bei einem digitalen Datensatz sind Original und Duplikat nicht zu unterscheiden. „Die NGDA entwickelt dabei Standards, auf die weiter aufgebaut werden kann“, fasste Schindl zusammen.

Nachdem ein Arzt ein elektronisches Rezept erstellt hat, erhält der Patient einen Sicherheitscode, zum Beispiel einen QR-Code, mit dem er das Rezept verwalten und abrufen kann. Das Rezept kann über verschiedene Wege in die Apotheke kommen. Beispielsweise können die Patienten es direkt an eine Apotheke senden, eine App nutzen oder es direkt mittels des QR-Code in einer Apotheke einlösen.

In der Apotheke erscheint das Rezept im Warenwirtschaftsprogramm. Am Stand von Pharmatechnik konnten die Teilnehmer sehen, dass alle Daten, die ein analoges Muster-16-Rezept hat, auch auf einer digitalen Verordnung vorhanden sind. Mithilfe der digitalen Signatur des eHBA wird das bearbeitete Rezept abgezeichnet. „Vorteil einer solchen digitalen Verordnung ist, dass keine Formfehler mehr passieren können“, hob Schindl hervor. Ein verrutschtes Aut-idem-Kreuz könne somit nicht mehr zu einer Retaxation führen.

Und wie kommt das Rezept nun in die Abrechnungsstelle? Hierzu gab es an der letzten Station des Rundgangs, am Messestand von Noventi, Informationen. „Die Zeiten, in denen die Rezepte gewogen und anschließend abgeholt werden, sind vorbei“. Nun erfolgt das Absenden der Rezepte nach der Rezeptkontrolle per Mausklick. Auch bei diesem Vorgang wird keine Rezeptkopie erzeugt, sondern lediglich der Status des Rezeptes verändert. Ein weiterer Vorteil des E-Rezeptes sei die Klimafreundlichkeit des Prozesses. Neben Papier werde auch CO2 gespart, da der Transport der Rezepte zu Abrechnungszentren und Kostenträgern wegfalle.

„Bereiten Sie sich und Ihre Kunden frühzeitig auf das E-Rezept vor, dann ist jegliche Angst, dass alle Rezepte bei Versandhandelsapotheken landen, unbegründet“, betonte Schindl zum Ende des Rundgangs. Den Kunden müsse lediglich klar sein, dass auch die Apotheke vor Ort in der Lage ist, digitale Rezepte zu bearbeiten. Lösungen gebe es viele, man müsse sie nur bereits jetzt publik machen.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Caroline Wendt

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

Apothekenleiterinnen: Wünsche an die Industrie

Wie können Apotheker und Industrie besser zusammenarbeiten? Was wünschen sich speziell junge selbstständige Apothekerinnen von der Industrie? Diese Fragen diskutierten heute morgen drei niedergelassene Apothekerinnen und zwei Industrie-Vertreter bei einer Podiumsdiskussion in der Pharmaworld auf der Expopharm.

Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und Ansprache auf Augenhöhe: Das wünschen sich selbstständige Apothekerinnen von Industrie-Vertretern. / Foto: Getty Images / PhotoAlto / Odilon Dimier

Die teilnehmenden Apothekerinnen beklagten eine regelrechte Informationsflut, die sie von Seiten der Firmen erreicht. »Wir bekommen zu viele Informationen, die nicht zielgerichtet sind«, sagte Apothekerin Susanne Donner aus Dippoldiswalde in Sachsen. Mit reiner Werbung könne man wenig anfangen, vielmehr wünschten sich die Apothekerinnen vor allem evidenzbasierte Informationen auf der Basis wissenschaftlicher Studien. Auch wollen die Apothekerinnen mit geschulten Mitarbeitern auf Augenhöhe kommunizieren und vor allem als Heilberuf, nicht nur als Kauffrau, wahrgenommen werden.

Die Apothekerinnen wünschten sich außerdem von den Industrievertretern verstärkt Schulungsveranstaltungen. »Wir brauchen gut geschultes Personal«, bekräftigte Donner. Die dabei übermittelten Informationen sollten ehrlich sein und möglichst prägnant aufbereitet werden. Ein Vorteil sei es auch, wenn die Schulungen jederzeit abrufbar sind, sodass sie flexibel in den Alltag integriert werden können. Neben fachlichen Informationen ist für die Apothekerinnen auch die Schulung kommunikativer Fähigkeiten von besonderer Bedeutung.

Alles in allem bevorzugen die Apotheker eine individuelle Ansprache durch die Industrievertreter – wohl wissend, dass diese Form der Kommunikation für die Firmen teuer ist und relativ viel Zeit benötigt. Für die Zukunft können sich die Apothekerinnen auch eine gemeinsame Online-Industrieplattform vorstellen, eine Art »Pharma-Facebook«, wie Apothekerin Dr. Ina Lucas aus Berlin sagte. Die Industrievertreter könnten dort relevante Informationen hochladen, die Apotheker dort recherchieren und, falls gewünscht, Kontakt mit den Firmen aufnehmen, so die Idee.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Verena Schmidt

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

Cannabis auf Rezept: Juristische Fallstricke

Vor zweieinhalb Jahren ist das sogenannte Cannabisgesetz in Kraft getreten. Rechtsanwältin und Apothekerin Isabel Kuhlen zog im Inspiration-Lab auf der Fachmesse Expopharm in Düsseldorf ein juristisches Resümee und informierte über rechtliche Fallstricke, die bei Cannabis-Verordnungen möglich sind.

Wann ist eine Cannabis-Verordnung zulässig und wann darf die Krankenkasse ihre Zustimmung verweigern? Isabel Kuhlen informierte zu diesem Thema bei der Expopharm. / Foto: Fotolia/Gina Sanders

„Versicherte mit schwerwiegenden Erkrankungen haben Anspruch auf Versorgung mit Cannabis“, so steht es in § 31, Absatz 6 des fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V). Doch gibt es einige Einschränkungen, informierte Kuhlen. Patienten können nur dann die getrockneten Blüten oder den Extrakt von Cannabis oder Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon zulasten der Krankenkassen erhalten, wenn eine dem medizinischen Standard entsprechende alternative Leistung nicht zur Verfügung steht oder nicht zur Anwendung kommen kann. Zudem müsse eine „nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Entwicklung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome bestehen“, so der Gesetzestext.
Die erste Verordnung muss durch die Krankenkasse genehmigt werden. Eine Ablehnung sei nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig. Befinde sich der Patient in einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung oder erfolge die Behandlung direkt im Anschluss auf einen Krankenhausaufenthalt, müsse die Krankenkasse innerhalb von drei Tagen nach Eingang des Antrags über diesen entscheiden. Ganz ohne Genehmigung könne eine Anpassung der Dosierung oder der Arzneiform vonstatten gehen.

Ärzte aller Fachrichtungen dürfen Rezepte über Cannabis ausstellen, jedoch keine Zahn- oder Tierärzte. Die Bestimmungen des § 31 SGB V gelten für die getrockneten Blüten, den standardisierten Extrakt und für Fertigarzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon, wenn sie außerhalb der zugelassenen Indikation rezeptiert werden. „Innerhalb der zugelassenen Indikation gelten die allgemeinen Vorschriften zur Abgabe von Fertigarzneimitteln“, erklärte Kuhlen. Der Wirkstoff Cannabidiol werde dagegen gar nicht in der Gestzespassage genannt, somit sei eine Vorordnung auch nicht zulässig.

Doch wie ist eine schwerwiegende Erkrankung definiert? Es scheint, dass sich hier Gesetzgeber und Krankenversicherungen nicht ganz einig sind. Rechtlich besteht keine Beschränkung der möglichen Indikation und es ist keine chronische Erkrankung nötig, um Cannabis auf Rezept zu erhalten. Die Definition der Krankenkasse sieht hingegen vor, dass eine Krankheit dann schwerwiegend ist, wenn sie lebensbedrohlich ist und die Lebensqualität auf Dauer beeinträchtigt. Dies lasse eine Vielzahl an Erkrankungen zu, so die Apothekerin. Eine Zwischenauswertung der Begleiterhebung zur Abgabe von Cannabis auf Rezept von mehr als 4100 Datensätzen habe ergeben, dass 69 Prozent der Verordnungen bei chronischen Schmerzen, 11 Prozent bei Spastiken und 8 Prozent bei Anorexie oder Wasting ausgestellt wurden, berichtete Kuhlen.

Obwohl die Therapiehoheit beim Arzt liegt und Patienten nicht dazu verpflichtet sind, alle theoretisch denkbaren Therapiealternativen erfolglos erdulden zu müssen, wird ein Drittel der Anträge zunächst von der Krankenkasse abgelehnt. „In 65 Prozent der negativ beschiedenen Fälle verwies die Krankenkasse auf bestehende Therapiealternativen“, so Kuhlen. Deshalb sei die Angabe von plausiblen Gründen für die Nichtdurchführung einer Alternative von besonderer Bedeutung. Dies könnten beispielsweise in der Fachinformation beschriebene Nebenwirkungen sein, die beim Patienten aufgetreten sind und die Anwendung anderer Wirkstoffe ausschließen.

Um eine Cannabis-Verordnung gegenüber der Krankenkasse zu rechtfertigen, müsse kein Wirksamkeitsnachweis nach Maßstäben der evidenzbasierten Medizin erbracht werden. Die im Gesetz geforderte nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Besserung könnten Ärzte auch aus Indizien ableiten, die sich außerhalb von Studien oder Leitlinien finden ließen. „Eine alleinige positive Erfahrung eines Patienten reicht allerdings nicht aus“, betonte die Referentin.

In manchen Fällen befristen Krankenkassen ihre Genehmigung. „Hierzu gibt es allerdings ein Urteil des Sozialgerichts Hildesheim, dem zufolge eine solche Befristung vom Gesetz nicht vorgesehen ist“, so die Rechtsanwältin. Die Verantwortung über die Fortführung der Therapie liege nach erstmaliger Genehmigung beim behandelnden Arzt.

Muss sich die Apotheke vergewissern, dass eine Genehmigung durch die Krankenkasse erfolgt ist? Hierzu zitierte Kuhlen ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg, wonach sich ein Apotheker keinen Vergütungsanspruch für die Abgabe von Cannabisblüten erwirbt, wenn er sich nicht bei jeder Abgabe die notwendige Genehmigung der Erstverordnung vorlegen lässt. „Diese Aussage dürfte nicht mit den in den Lieferverträgen bisher ausgehandelten Prüfpflichten des Apothekers in Einklang zu bringen sein“, kritisierte Kuhlen. Daher sei es wichtig die jeweiligen Arzneilieferverträge im Einzelfall zu prüfen.

Doch insbesondere bei der kurzen Frist nach Krankenhausentlassung sei die Prüfung oft problematisch. „Es lässt sich nicht nachweisen, dass innerhalb der gesetzlichen Frist keine Reaktion der Krankenkasse erfolgt ist.“ Eine Rechtsprechung fehle hier jedoch noch.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Caroline Wendt

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

Service-Roboter: Was macht Charly in der Apotheke?

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“ Charlys Stimme klingt etwas monoton, aber nicht unfreundlich. Charly ist ein humanoider Roboter vom Typ Pepper, der in einer deutschen Apotheke Kunden anspricht und manchmal sogar bedient. Bei der Expopharm war es dem Service-Roboter allerdings zu laut.
Experten vom Kompetenzzentrum Usability der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg präsentierten und steuerten die Figur bei der Expopharm. „Roboter tauchen im Servicebereich häufiger auf. Interessant ist dabei die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine“, sagte Dr. Daryoush Daniel Vaziri, Geschäftsstellenleiter des Kompetenzzentrums Region Nord, gegenüber der PZ. Er räumte gleich mit Missverständnissen auf: Service-Roboter könnten weder Mitarbeiter ersetzen noch das Fachkräfteproblem lösen. Charly sei auch kein voll autonomer Roboter. „Der Einsatz solcher Systeme führt aber dazu, dass sich Arbeitsformen verändern werden.“

Sprechen, nicken, begrüßen: Der Service-Roboter Charly zeigte seine Fähigkeiten bei der Expopharm. / Foto: PZ/Alois Mueller

Was macht der Roboter mit dem Kindchen-Schema-Kopf in der Rathaus Apotheke in St. Augustin? Seit April 2019 steht und rollt Charly etwa vier Stunden pro Woche im Eingangs- und Handverkaufsbereich der Apotheke. Das System begrüßt Kunden und spricht sie direkt an. Es kennt viele Produkte in der Freiwahl und sagt dem Kunden, in welchem Regal er das gewünschte Produkt finden kann. Er könne sogar Produktinformationen und einfache Beratungshinweise geben, berichtet Vaziri. Das System sei stark nutzerorientiert.

Hat der Kunde komplexere Fragen oder will ein Rezept einlösen, verweist der Roboter an die Apothekenmitarbeiter. Möglich sei auch, dass Charly einen Kunden künftig mit einem Mitarbeiter verbindet, der von seinem Home-Office aus eine Beratung anbietet. Mithilfe der Kamera am Kopf des Roboters kann dieser den Kunden sehen, mithilfe der Mikrofone mit ihm sprechen.

Der erste Prototyp wurde laut Vaziri von Mitarbeitern der Rathaus-Apotheke gesteuert und trainiert. „Die Mitarbeiter reagierten zunächst sehr verhalten, aber das Zusammenspiel von Mensch und Maschine hat sich entwickelt. Im Umgang mit dem Modell schwinden die Berührungsängste“, berichtet Apothekenleiter Florian Wehrenpfennig. Allerdings müsse die Programmierung des Roboters weiterentwickelt werden. Denkbar sei zum Beispiel, verschiedene Fremdsprachen einzuprogrammieren, sodass der synthetische Mitarbeiter künftig Sprachen erkennt und Kunden in ihrer Muttersprache anspricht.

Wie reagieren die Kunden? „Teils mit Kopfschütteln, aber die meisten sind fasziniert, manche auch begeistert“, so Wehrenpfennig. Je häufiger der Roboter in der Apotheke auftaucht, umso mehr versuchen Kunden, mit ihm in Interaktion zu treten. Er kann kichern, nicken und winken, aber auch Witze erzählen oder Nachrichten wiedergeben.

Das Projekt mit dem Serviceroboter in der Apotheke ist auf zwei Jahre angelegt und wird vom Kompetenzzentrum Usability fachlich begleitet. In dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt geht es generell darum, kleine und mittlere Unternehmen bei Fragen der Digitalisierung zu unterstützen.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 26.09.2019 von Brigitte M. Gensthaler

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

Kanada: Vom Ahornsirup bald zum Cannabis-Bier

Die kanadische Nationalflagge gibt es bereits in einer abgewandelten Version: statt mit Ahorn- nun mit Hanfblatt. Der Grund ist ein Cannabis-Gesetz vom Oktober 2018, das es erlaubt, 30 g Marihuana zu kaufen, bei sich zu tragen und zu konsumieren. Davon machen die Einwohner des Landes auch Gebrauch, wie Professor Dr. Theo Dingermann, Chefredakteur der PZ, auf der Messe Expopharm in Düsseldorf verriet.

Hier finden sich nur Experten zurecht. Die Apotheken-Website muss dagegen auf den ersten Blick verständlich und nützlich sein. / Foto: Fotolia/Marcito

Während vor der Legalisierung 14 Prozent der Kanadier in Umfragen angaben, in den vergangenen drei Monaten Cannabis konsumiert zu haben, waren es nach dem Oktober 2018 immerhin 18 Prozent. „Für Minderjährige bleibt Cannabis nach den Vorgaben der Regierung allerdings weiterhin tabu“, sagte Dingermann. Studien hätten gezeigt, dass das sich entwickelnde Gehirn durch Cannabis-Konsum Schaden nehmen könne. Allerdings, so Dingermann, gebe fast ein Drittel der kanadischen Teenager an, im vergangenen Vierteljahr Marihuana geraucht zu haben.

Kritiker der Legalisierung warnten grundsätzlich vor gesundheitlichen Risiken. Die größte kanadische Ärztevereinigung bezeichnete die Gesetzgebung als „landesweites unkontrolliertes Experiment“. Warum dennoch die Freigabe von Cannabis? „Durch die Legalisierung hofft die Regierung, den Schwarzmarkthandel mit Haschisch einzudämmen“, informierte Dingermann.

Ein weiterer Boom im Cannabis-Geschäft wird voraussichtlich schon bald folgen: Die Cannabis-Freigabe auch für Lebensmittel und Getränke soll in Kanada im Oktober dieses Jahres folgen. Nach derzeitigem Stand will das kanadische Gesundheitsministerium Health Canada maximal 10 mg Tetrahydrocannabinol (THC) pro Lebensmittel- oder Getränkepackung zulassen.

Und was ist mit Medizinal-Cannabis? Das spielt eine untergeordnete Rolle. Obwohl der medizinische Einsatz von Cannabis in Kanada bereits seit 2001 legal ist, haben es bisher nur wenige Ärzte jemals verschrieben. Die Verantwortung bezüglich des Einsatzes von medizinischem Cannabis wurde im Jahr 2004 auf die Ärzte übertragen. Das könne ein Grund dafür sein, dass der medizinische Einsatz nicht allzu häufig vorkommt.

Dingermann informierte ferner, dass es keine offizielle Monographie gibt, nach der die Qualität des Naturstoffs definiert ist. „Es gibt kaum eine Standardisierung. Jede Pflanze hat ein unterschiedliches THC:CBD- sowie Terpenoid-Spektrum.“ Aus Apothekersicht sei das eigentlich ein Unding. Dennoch unterstützen Apothekerorganisationen in Kanada den Einsatz von medizinischem Cannabis sehr stark. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in einigen Provinzen den Apotheken der Vertrieb von Cannabis gestattet wird“, so Dingermann.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Sven Siebenand

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

Medikationsanalyse: In den Alltag integrieren

Jeder Patient ist mit seinen individuellen, Arzneimittel-bezogenen Problemen einzigartig. Eine Medikationsanalyse beansprucht daher viel Zeit. Dennoch lässt sie sich in den Arbeitsalltag einer Apotheke integrieren – Routine und die Nutzung von Datenbanken helfen dabei.

„Wie sich Medikationsanalysen in den Apothekenalltag integrieren lassen, ist eine drängende Frage, denn die Politik eilt uns mit der in Aussicht gestellten Honorierung pharmazeutischer Dienstleistungen voraus“, sagte Dr. Alexander Ravati vom Unternehmen Pharma4u im Inspiration-Lab bei der Fachmesse Expopharm in Düsseldorf. Er persönlich freue sich darüber: „Endlich bekommen diese Dienstleistungen die Anerkennung, die sie verdienen – auch finanziell.“

Dr. Andreas Kiefer, Dr. Kirsten Menke, Dr. Alexander Ravati, Sylke Bergmann und Dr. Nina Griese-Mammen (v.l.) diskutierten im Inspiration Lab der Expopharm, wie das Medikationsmanagement in den Apothekenalltag zu integrieren ist. / Foto: PZ/Alois Mueller

Apothekeninhaber sollten sich dabei nicht auf die Nachteile wie Zeitbedarf und daraus resultierende Mehrkosten fokussieren, sondern auf die Vorteile, so Apothekerin Dr. Kirsten Menke. „Die fachlich-inhaltliche Arbeit ist der Grund, warum die meisten Apotheker Pharmazie studiert haben. Gerade junge Apotheker sind daher froh, wenn sie Gelegenheit bekommen, ihr Wissen anzuwenden“, sagte Menke. Dies sei gerade in Zeiten des Nachwuchsmangels ein wichtiges Argument. Ein weiteres sei die Zufriedenheit der Kunden.

Wie geht man eine Medikationsanalyse an? Hierzu gibt es eine Leitlinie der Bundesapothekerkammer (BAK) samt Kommentar und Arbeitshilfen, die auf der Website der ABDA abrufbar sind. Darauf wies Dr. Nina Griese-Mammen von der ABDA hin. Bei der Erarbeitung der entsprechenden Materialien seien auch die Erfahrungen eingeflossen, die Apotheker in anderen Ländern bereits mit dieser Dienstleistung gesammelt hätten.

Um eine Medikationsanalyse zügig durchzuführen, braucht es eine Zeitstruktur, betonte Sylke Bergmann, Inhaberin der Margareten-Apotheke in Münster, die in ihrer Apotheke schon seit einiger Zeit die Dienstleistung anbietet. „Bei den ersten Analysen haben wir uns total verzettelt und Tage daran gesessen“, so Bergmann. Deshalb sei ihr Team sehr froh gewesen, als mit dem MediCheck von Pharma4u eine Software zur Verfügung stand, die eine Struktur vorgibt. Mittlerweile habe sich der Zeitbedarf bei etwa einer Stunde für das Gespräch mit dem Patienten und einer weiteren Stunde für die Analyse eingependelt.

Im geplanten Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) sind insgesamt 150 Millionen Euro als Honorar für pharmazeutische Dienstleistungen vorgesehen. „Die Frage ist: Wie viele Medikationsanalysen kann man dafür machen?“, sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der BAK. Einen genauen Preis für die Dienstleistung festzulegen, sei Gegenstand künftiger Verhandlungen zwischen den Apothekern und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Die Kassen hätten natürlich gerne so viele Analysen wie möglich. Wir hingegen kalkulieren mit Mitarbeiter- beziehungsweise Betriebsstunden.“ Jetzt habe es noch keinen Sinn, das zu konkretisieren, denn das Gesetz sei noch nicht erlassen.

Für die Abrechnung sei ein Modell wie beim Nacht- und Notdienstfonds denkbar, denn dieses habe sich bewährt. Geklärt werden müsse jedoch die Frage der Deckelung, was also passiere, wenn eine Medikationsanalyse eigentlich indiziert wäre, das im VOASG vorgesehene Budget jedoch schon ausgeschöpft sei. „Eine Medikationsanalyse ist im Dezember gleich viel wert wie zu jedem anderen Zeitpunkt“, stellte Kiefer klar.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Annette Mende

Donnerstag, 26. September 2019|Messe|

expopharm Medienpreis zum 15. Mal verliehen

Düsseldorf/Eschborn (26.09.2019) – Zum 15. Mal wurde gestern der expopharm Medienpreis verliehen. Damit will Europas größte und bedeutendste Fachmesse für den Apothekenmarkt die fundierte und dabei auch durchaus kritische Berichterstattung rund um die Apotheken fördern. Zahlreiche Journalisten hatten hierzu Beiträge in den Wettbewerb eingereicht, die in vielen deutschen Leitmedien publiziert wurden.

In der Kategorie Apotheke in Politik und Wirtschaft ging der expopharm Medienpreis an Dr. Tobias Kaiser. Am 25. November 2018 wurde in der Welt am Sonntag sein Beitrag „Zum Impfen in die Apotheke“ veröffentlicht. Darin greift er die Frage auf, ob Pharmazeuten in Zeiten fehlender Ärzte neue Aufgaben übernehmen sollen. Schwerpunktmäßig geht es um das von Gesundheitsminister Jens Spahn ins Spiel gebrachte Impfen durch Pharmazeuten. Doch Dr. Kaiser kann sich auch noch viele weitere neue Dienstleistungen der Apotheken vorstellen. In Zeiten der Telemedizin sei es beispielsweise durchaus denkbar, dass ein Arzt im Rahmen einer Fernbehandlung seine Patienten zur Urinprobe oder Blutabnahme in die nächstgelegene Apotheke schickt. Den derzeitigen Widerstand der Ärzteschaft sieht Dr. Kaiser dabei als temporäres Phänomen. Zumindest dann, wenn es den Kassenärztlichen Vereinigungen nicht gelänge, alle Praxen in ländlichen Gebieten zu besetzen, würde dieser bröckeln. Dann wären die Ärzte nach seiner Meinung sogar dankbar, wenn Apotheker ihnen einen Teil der Arbeit abnähmen. Als Unterstützung für seine These führt der Autor zahlreiche Länder in verschiedenen Kontinenten an, in denen nicht nur das Impfen, sondern auch weitere Dienstleistungen wie selbstverständlich und ohne Komplikationen durch Apotheken übernommen werden. Es sei zwar nicht das Ziel der Apotheker, den Ärzten ihre Kompetenz streitig zu machen. Sie seien aber sehr wohl dazu bereit, in Absprache mit den Medizinern neue Aufgaben zu übernehmen.

Dirk Gilson erhielt den expopharm Medienpreis in der Kategorie Apotheke und Verbraucher für eine für den WDR 5 produzierte Multimedia-Reportage „Auf der Spur der Fälscher – Apotheker kämpfen gegen gefährliche Arzneimittel in Kamerun“. Laut WHO ist in Entwicklungsländern im Schnitt jedes zehnte Medikament gefälscht, recherchierte der Autor für seine Web-Doku, die erstmals am 20. Juni 2018 auf wdr.de publiziert wurde. Für seinen ausgezeichneten Beitrag beschreibt Gilson das Forschungsprojekt des Pharmazeuten Simon Schäfermann von der Universität Tübingen, der im Rahmen seiner Promotion gemeinsam mit Kollegen aus Kamerun über gefälschte und minderwertige Arzneimittel forscht. In Kamerun, einem Hotspot dieses Problems, werden diese sowohl vereinzelt in Apotheken als auch besonders auf Schwarzmärkten verkauft. Weltweit gehen jedes Jahr 140.000 Menschenleben auf das Konto dieser Plagiate. Die Apotheker kauften knapp 300 Medikamente auf sechs Schwarzmärkten und in 18 zugelassenen Apotheken. Einem Drittel der Produkte musste mangelhafte Qualität attestiert werden. Manche waren sogar komplett ohne Wirkstoff. Der Beitrag von Dirk Gilson liest sich nicht nur wie ein Krimi. Er zeigt, dass das Engagement junger Forscher die Arzneimittelsicherheit für die Patienten nachhaltig verbessern kann – sowohl in Deutschland als auch in Ländern, die auf die Hilfe der Industrienationen angewiesen sind.

In der Kategorie Pharmazie und Forschung ging der expopharm Medienpreis an Beate Frenkel, deren Dokumentation „Pillen, Pulver Wunderheiler – das Geschäft mit der Alternativmedizin“ am 6. Februar 2019 im ZDF ausgestrahlt wurde. Darin ging es nicht nur um radikale Impfgegner, die von der WHO inzwischen als globale Bedrohung erklärt wurden. Die Autorin lässt auch keinen Zweifel an ihrer Haltung zu selbsternannten Wunderheilern, die sie als Scharlatane bezeichnet. Mit Verschwörungstheorien und Panikmache würden sie den Boden für ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie, den Ärzten und den Medien bereiten. Wissenschaftliche Fakten würden als Fake-News abgetan und eben durch Verschwörungstheorien vermeintlich entlarvt.  Die einen machen damit Geschäfte, die anderen sorgen dafür, dass eigentlich längst ausgestorben geltende Krankheiten nun wieder zu Todesopfern führen. Der Beitrag gibt ein mutiges und absolut notwendiges Zeugnis ab für wissenschaftliche Erkenntnisse und die journalistische Pflicht zur Aufklärung der Leser, Zuschauer und Hörer.

Die Verleihung des expopharm Medienpreises fand im Düsseldorfer Apollo-Theater statt. Der Wettbewerb wurde von der DKV und der Messe Düsseldorf unterstützt.

Pressekontakt:
Elmar Esser
E-Mail: presse@expopharm.de

Die Pressemitteilung können Sie auch hier downloaden.

Donnerstag, 26. September 2019|Messe, Presse|

Künstliche Intelligenz: Im Alltag längst angekommen

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Realität. Sie umgibt uns schon heute an vielen Stellen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Und auch für den Heilberufler birgt sie enormes Potenzial. Dies berichtete Florian Giermann, Key Account Manager bei Noventi, beim InspirationLab bei der Expopharm.

Der erste Blick beim Aufwachen aufs Smartphone: Dann hilft künstliche Intelligenz, das Gesicht des Nutzers zu erkennen und schaltet das Gerät frei. / Foto: Fotolia/Focus Pocus LTD

Vereinfacht gesagt, steckt hinter KI ein Computerprogramm, das mit riesigen Datenmengen versorgt wird und daraus nach dem Deep-learning-Prinzip lernt, eigene Entscheidungen und Handlungen abzuleiten So lernt eine KI zum Beispiel, anhand von Millionen von Katzenbildern, wie Katzen aussehen, erklärte der Jurist.

Dass KI keine Zukunftsmusik ist, zeigte Giermann an vielen Alltagsbeispielen. So könne KI im Smartphone anhand zahlreicher gespeicherter Gesichtsmerkmale seinen Nutzer erkennen und schalte das Gerät frei. „Je öfter man das System nutzt, umso besser erkennt die KI das eigene Gesicht.“ Sensoren in modernen Autos können Geschwindigkeitsbegrenzungen und deren Aufhebung erkennen oder beim Einparken helfen. Hier liege ein Mustererkennungsprogramm zugrunde. In der Medizin könne KI bei der Diagnostik von Krankheiten helfen, indem sie zum Beispiel Millionen von Krankenakten oder Computertomogrammen mit den Befunden eines einzelnen Patienten abgleicht und den Arzt in der Einzeldiagnose unterstützt.

Für den Apothekenbereich stellte Giermann drei Bereiche vor und nannte als erstes die Logistik. KI könne Muster in der Arzneimitteldistribution erkennen und zum Beispiel bei einer Grippewelle in Deutschland Medikamentenströme in die betroffenen Regionen umleiten. Große Potenziale sieht er auch in der personalisierten Medizin: Aus dem Abgleich von Millionen von Patientendaten und deren Outcome könne das System ganz individuelle Therapien berechnen. „Dann drucken wir die Medikation gleich individuell mit dem 3D-Drucker aus. Fertigarzneimittel werden uns anachronistisch erscheinen.“

Auch die Therapie-Adhärenz könne mit KI unterstützt werden. KI könne typische Verhaltensmuster erkennen, die vor dem Abbruch einer Einnahme auftreten. Relevant ist dies zum Beispiel bei Menschen mit Epilepsie. Erkennt das System Muster, die einen Einnahmestopp erwarten lassen, könne es einen Apotheker informieren, der die Adhärenz des Patienten wieder stärkt.

Fazit des Experten: Für den heilberuflichen Bereich berge KI ein enormes Potenzial, weil administrative und eintönige Aufgabe delegiert werden könnten. „Apotheker haben dann mehr Zeit für ihre Kunden. Und darin unterscheiden Sie sich vom Wettbewerber.“

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Brigitte M. Gensthaler

Mittwoch, 25. September 2019|Messe|

Expopharm-Eröffnung: Becker wirbt für Apothekenreform

Der Vorsitzende des deutschen Apothekerverbands (DAV), FritzBecker, geht nicht davon aus, dass es das Rx-Versandverbot noch in die geplante Apothekenreform schaffen wird. Stattdessen betonte er heute bei seiner Eröffnungsrede zur Expopharm in Düsseldorf das Potenzial der aktuellen Version des Apotheken-Stärkungsgesetzes (VOASG).

Becker riet den Apothekern, sich trotz des DAV-Chef Fritz Becker setzt auf das Potenzial des vorliegenden Entwurfs der Apothekenreform. An einigen Stellen gilt es seiner Meinung nach jedoch nachzubessern. / Foto: PZ/Alois Müller

Votums des Bundesrats pro Rx-Versandverbot nicht allzu viele Hoffnungen zu machen, dass das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneien nun doch kommen wird. Dieser von der ABDA lange geforderte Weg zur Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit sei politisch nicht durchsetzbar. „Es waren schlicht weder im Kabinett, noch im Parlament, noch in der Bevölkerung Mehrheiten für diese Option zu gewinnen“, erinnerte der DAV-Chef. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe keinerlei Bereitschaft signalisiert, die Apotheker diesbezüglich zu unterstützen.

Stattdessen habe er gemeinsam mit der ABDA nach Mitteln gesucht, um die Gleichpreisigkeit weitgehend zu erhalten und die Vor-Ort-Apotheken zukunftsfest zu machen. Das Ergebnis sei der vorliegende Regierungsentwurf des VOASG. „Dieses Ergebnis ist, das haben wir immer wieder betont, keine Ideallösung für uns“, unterstrich Becker. „Das war auch nicht zu erwarten, denn so funktioniert Gesundheitspolitik nicht. Jeder, der anderes behauptet und Gesetze mit Maximalforderungen vergleicht, verkennt die Tatsachen.“ Die Apothekerschaft warte jetzt mit Spannung auf die Antwort der Bundesregierung auf die Stellungnahme des Bundesrats. „Machen wir uns aber nichts vor: So schön es auch wäre, eine Änderung des Gesetzentwurfs ist nicht zu erwarten.“ Denn der Beschluss der Länderkammer habe lediglich empfehlenden Charakter. Das VOASG ist nicht zustimmungspflichtig, der Bundesrat kann es nicht stoppen.

Im aktuellen VOASG-Entwurf sieht Becker viele Chancen für die Apotheker, ihre derzeitige Marktposition deutlich zu verbessern. Mit Spahns Vorhaben, die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente im Sozialrecht zu verankern, ließen sich erstmals seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Oktober 2016 einheitliche Abgabepreise herstellen – zumindest für Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Luxemburger Richter hatten vor rund drei Jahren die Arzneimittelpreisbindung für Versender mit Sitz im EU-Ausland gekippt. Seither dürfen EU-Versender Rabatte auf Rx-Arzneien anbieten, deutschen Apotheken ist dies nach wie vor untersagt.

Die ABDA kämpfe für den Erhalt der Gleichpreisigkeit, setze sich aber gleichzeitig auch dafür ein, die im VOASG vorgesehenen neuen pharmazeutischen Dienstleistungen zu etablieren und eine angemessene Honorierung zu erringen. Die bisher eingeplanten 150 Millionen Euro reichten bei Weitem nicht aus, sagte der DAV-Chef. „Um ein flächendeckendes Angebot an pharmazeutischen Dienstleistungen und eine spürbare Leistungsverbesserung für die Versicherten zu erreichen, müsste das Budget mehr als verdoppelt werden!“ Er betonte, dass es dabei nicht um ein reines Honorarplus für die Offizinen gehe. „Es geht um eine Investition in hochwertige pharmazeutische Leistungen für Patienten, beispielsweise aus den Bereichen Arzneimitteltherapiesicherheit und Prävention.“ Die Chance, nachhaltige Strukturen aufzubauen und das Know-how der Apotheker zum Wohle der Menschen einzubringen, gelte es jetzt zu ergreifen.

In der Gesamtschau biete die Kombination aus VOASG und die daraus ausgelagerte Verordnung, die etwa den Botendienst der Offizinen neu regeln soll, „gute Voraussetzungen, um die Vor-Ort-Apotheken zu stärken und ihr Profil zu schärfen“. Das Bekenntnis zur freien Apothekenwahl sei von herausragender Bedeutung. Mit der Einführung des E-Rezepts vor der Nase sei es wichtig, dass sich das Zuweisungsverbot nun auch explizit auf Versandapotheken beziehe. Um das Makeln mit elektronischen Verordnungen zu verhindern, müsse dieses Verbot jedoch neben Apothekern und Ärzten auch auf Dritte ausgeweitet werden. „Kapitalgesellschaften, die Geschäfte mit der Zuweisung von E-Rezepten machen, dürfen nun wirklich nicht die Versorgung steuern.“

Damit Patienten tatsächlich frei wählen können, in welcher Apotheke sie ihr Rezept einlösen, entwickelt der DAV gemeinsam mit seinen 17 Landesapothekerverbänden aktuell eine neutrale webbasierte App. „Mit der Web-App kann der Patient zum Beispiel auf seinem Smartphone das vom Arzt ausgestellte E-Rezept einsehen und der Apotheke seiner Wahl übermitteln“, erklärte Becker. Selbstverständlich stehe die Web-App allen Apotheken zur Verfügung – wettbewerbsneutral und diskriminierungsfrei. „Seit Anfang Mai haben sich mehr als 11.000 aller Apothekeninhaber für die Web-App registriert, eine überwältigende Resonanz.“ Die Web-App soll in Kürze in einem Modellprojekt zum Einsatz kommen. Geplant ist Becker zufolge, dass im November die ersten E-Rezept-Codes über die Web-App laufen. „Das werden wir auswerten und dann weiter daran arbeiten.“

Was den neuen Rahmenvertrag betrifft, der seit dem 1. Juli in Kraft ist, räumte Becker ein, dass „bei relevanten Änderungen in der Arzneimittelversorgung Umstellungsprobleme in den ersten Monaten nicht ungewöhnlich“ seien. „So ein Vertragswerk ist nicht immer leicht verständlich, der Umgang der Apotheker mit der abgesenkten Reimportverpflichtung zeigt das deutlich.“ Auch die Umsetzung in der Software sei bisher nicht optimal gelöst. „Hier bitte ich, mit Augenmaß zu urteilen«, so Becker. Der Vertrag bringe zweifelsfrei viele gute Neuerungen mit sich, an einigen Stellen müsse aber noch nachgebessert werden. »Ich möchte an dieser Stelle nochmals eindringlich an den GKV-Spitzenverband appellieren, in den anstehenden Verhandlungen schnell patientenfreundliche und in der täglichen Arbeit in der Apotheke umsetzbare Lösungen zu finden.“

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Christina Müller

Mittwoch, 25. September 2019|Messe|

Internetpräsenz: Fünf Tipps, um digital sichtbarer zu werden

Ein professioneller Apotheken-Auftritt im Internet sichert Aufmerksamkeit. „Es geht uns um Reichweite“, sagte Gesundheitsunternehmer Steffen Kuhnert und gab den Apothekern beim InspirationLab der Expopharm fünf Tipps, um digital sichtbarer zu werden.

Hier finden sich nur Experten zurecht. Die Apotheken-Website muss dagegen auf den ersten Blick verständlich und nützlich sein. / Foto: Fotolia/Marcito

Als erstes Aushängeschild im Netz fungiere der Google-Service „Google my business“ für Firmen und Unternehmen. Kuhnert riet den Apothekern dringend, diesen Service mit professionellem Bildmaterial zu nutzen. Ebenso wichtig sei es, die Google my business App herunterzuladen und zeitnah auf Rezensionen zu reagieren. „Es gibt nichts Schlimmeres, als auf eine negative Nachricht nicht zu reagieren.“ Zudem könne man hier nützliche Statistiken lesen, analysieren und für sich nutzen.

Da die meisten Kunden über Google auf die Apotheke stoßen, sieht Kuhnert die optimale Nutzung von Google my business und der App als vorrangig an. Erst an Nummer 3 stehe die benutzerfreundliche Apotheken-Website. Er empfahl, die Startseite aufzuräumen, übersichtlich zu gestalten und nur kundenrelevante Inhalte zu bieten. Nach dem Grundsatz „mobile first“ sollte man die eigene Website auch auf dem Smartphone aufrufen und die Aufbaugeschwindigkeit beachten. Optimal seien 0,6 Sekunden beim Seitenaufbau. Daher sein Rat: „Arbeiten Sie mit schlanken Websites!“

In Social-media-Kanälen sollte man sich vor langweiligen Posts hüten. Es gehe nicht um Werbung, sondern um Interaktion mit Menschen.

Und als Tipp 5: Für die digitale Präsenz ein finanzielles und vor allem zeitliches Budget bereitstellen. Um Kunden wirklich zu erreichen, gebe es keine Abkürzung.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Brigitte M. Gensthaler

Mittwoch, 25. September 2019|Messe|