Jeder Patient ist mit seinen individuellen, Arzneimittel-bezogenen Problemen einzigartig. Eine Medikationsanalyse beansprucht daher viel Zeit. Dennoch lässt sie sich in den Arbeitsalltag einer Apotheke integrieren – Routine und die Nutzung von Datenbanken helfen dabei.

„Wie sich Medikationsanalysen in den Apothekenalltag integrieren lassen, ist eine drängende Frage, denn die Politik eilt uns mit der in Aussicht gestellten Honorierung pharmazeutischer Dienstleistungen voraus“, sagte Dr. Alexander Ravati vom Unternehmen Pharma4u im Inspiration-Lab bei der Fachmesse Expopharm in Düsseldorf. Er persönlich freue sich darüber: „Endlich bekommen diese Dienstleistungen die Anerkennung, die sie verdienen – auch finanziell.“

Dr. Andreas Kiefer, Dr. Kirsten Menke, Dr. Alexander Ravati, Sylke Bergmann und Dr. Nina Griese-Mammen (v.l.) diskutierten im Inspiration Lab der Expopharm, wie das Medikationsmanagement in den Apothekenalltag zu integrieren ist. / Foto: PZ/Alois Mueller

Apothekeninhaber sollten sich dabei nicht auf die Nachteile wie Zeitbedarf und daraus resultierende Mehrkosten fokussieren, sondern auf die Vorteile, so Apothekerin Dr. Kirsten Menke. „Die fachlich-inhaltliche Arbeit ist der Grund, warum die meisten Apotheker Pharmazie studiert haben. Gerade junge Apotheker sind daher froh, wenn sie Gelegenheit bekommen, ihr Wissen anzuwenden“, sagte Menke. Dies sei gerade in Zeiten des Nachwuchsmangels ein wichtiges Argument. Ein weiteres sei die Zufriedenheit der Kunden.

Wie geht man eine Medikationsanalyse an? Hierzu gibt es eine Leitlinie der Bundesapothekerkammer (BAK) samt Kommentar und Arbeitshilfen, die auf der Website der ABDA abrufbar sind. Darauf wies Dr. Nina Griese-Mammen von der ABDA hin. Bei der Erarbeitung der entsprechenden Materialien seien auch die Erfahrungen eingeflossen, die Apotheker in anderen Ländern bereits mit dieser Dienstleistung gesammelt hätten.

Um eine Medikationsanalyse zügig durchzuführen, braucht es eine Zeitstruktur, betonte Sylke Bergmann, Inhaberin der Margareten-Apotheke in Münster, die in ihrer Apotheke schon seit einiger Zeit die Dienstleistung anbietet. „Bei den ersten Analysen haben wir uns total verzettelt und Tage daran gesessen“, so Bergmann. Deshalb sei ihr Team sehr froh gewesen, als mit dem MediCheck von Pharma4u eine Software zur Verfügung stand, die eine Struktur vorgibt. Mittlerweile habe sich der Zeitbedarf bei etwa einer Stunde für das Gespräch mit dem Patienten und einer weiteren Stunde für die Analyse eingependelt.

Im geplanten Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) sind insgesamt 150 Millionen Euro als Honorar für pharmazeutische Dienstleistungen vorgesehen. „Die Frage ist: Wie viele Medikationsanalysen kann man dafür machen?“, sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der BAK. Einen genauen Preis für die Dienstleistung festzulegen, sei Gegenstand künftiger Verhandlungen zwischen den Apothekern und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Die Kassen hätten natürlich gerne so viele Analysen wie möglich. Wir hingegen kalkulieren mit Mitarbeiter- beziehungsweise Betriebsstunden.“ Jetzt habe es noch keinen Sinn, das zu konkretisieren, denn das Gesetz sei noch nicht erlassen.

Für die Abrechnung sei ein Modell wie beim Nacht- und Notdienstfonds denkbar, denn dieses habe sich bewährt. Geklärt werden müsse jedoch die Frage der Deckelung, was also passiere, wenn eine Medikationsanalyse eigentlich indiziert wäre, das im VOASG vorgesehene Budget jedoch schon ausgeschöpft sei. „Eine Medikationsanalyse ist im Dezember gleich viel wert wie zu jedem anderen Zeitpunkt“, stellte Kiefer klar.

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Annette Mende