Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Realität. Sie umgibt uns schon heute an vielen Stellen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Und auch für den Heilberufler birgt sie enormes Potenzial. Dies berichtete Florian Giermann, Key Account Manager bei Noventi, beim InspirationLab bei der Expopharm.

Der erste Blick beim Aufwachen aufs Smartphone: Dann hilft künstliche Intelligenz, das Gesicht des Nutzers zu erkennen und schaltet das Gerät frei. / Foto: Fotolia/Focus Pocus LTD

Vereinfacht gesagt, steckt hinter KI ein Computerprogramm, das mit riesigen Datenmengen versorgt wird und daraus nach dem Deep-learning-Prinzip lernt, eigene Entscheidungen und Handlungen abzuleiten So lernt eine KI zum Beispiel, anhand von Millionen von Katzenbildern, wie Katzen aussehen, erklärte der Jurist.

Dass KI keine Zukunftsmusik ist, zeigte Giermann an vielen Alltagsbeispielen. So könne KI im Smartphone anhand zahlreicher gespeicherter Gesichtsmerkmale seinen Nutzer erkennen und schalte das Gerät frei. „Je öfter man das System nutzt, umso besser erkennt die KI das eigene Gesicht.“ Sensoren in modernen Autos können Geschwindigkeitsbegrenzungen und deren Aufhebung erkennen oder beim Einparken helfen. Hier liege ein Mustererkennungsprogramm zugrunde. In der Medizin könne KI bei der Diagnostik von Krankheiten helfen, indem sie zum Beispiel Millionen von Krankenakten oder Computertomogrammen mit den Befunden eines einzelnen Patienten abgleicht und den Arzt in der Einzeldiagnose unterstützt.

Für den Apothekenbereich stellte Giermann drei Bereiche vor und nannte als erstes die Logistik. KI könne Muster in der Arzneimitteldistribution erkennen und zum Beispiel bei einer Grippewelle in Deutschland Medikamentenströme in die betroffenen Regionen umleiten. Große Potenziale sieht er auch in der personalisierten Medizin: Aus dem Abgleich von Millionen von Patientendaten und deren Outcome könne das System ganz individuelle Therapien berechnen. „Dann drucken wir die Medikation gleich individuell mit dem 3D-Drucker aus. Fertigarzneimittel werden uns anachronistisch erscheinen.“

Auch die Therapie-Adhärenz könne mit KI unterstützt werden. KI könne typische Verhaltensmuster erkennen, die vor dem Abbruch einer Einnahme auftreten. Relevant ist dies zum Beispiel bei Menschen mit Epilepsie. Erkennt das System Muster, die einen Einnahmestopp erwarten lassen, könne es einen Apotheker informieren, der die Adhärenz des Patienten wieder stärkt.

Fazit des Experten: Für den heilberuflichen Bereich berge KI ein enormes Potenzial, weil administrative und eintönige Aufgabe delegiert werden könnten. „Apotheker haben dann mehr Zeit für ihre Kunden. Und darin unterscheiden Sie sich vom Wettbewerber.“

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 25.09.2019 von Brigitte M. Gensthaler