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Rezeptur-Kennzeichnung: Der Teufel steckt im Detail

Wirkstoffe sind bei Rezeptur-Arzneimitteln in deutscher Sprache und ohne Verwendung von Abkürzungen anzugeben. Das regelt §14 der Apothekenbetriebsordnung. Abkürzungen könnten mitunter zu zweideutigen Angaben führen, erläuterte Apothekerin Dr. Stefanie Melhorn vom DAC/NRF in ihrem Vortrag auf der pharma-world der expopharm in Düsseldorf. „Beispielsweise kann aus der lateinischen Abkürzung Acid. salicyl. beim Patienten, aber auch bei der Wiederverordnung in der Arztpraxis oder bei der Herstellung in der Apotheke leicht „Acetylsalicylsäure“ werden.“

Keinen Spielraum haben Apotheker und PTA bei der Angabe der Aufbrauchsfrist. Hier schreibt die Apothekenbetriebsordnung die Formulierung „verwendbar bis“ mit Angabe des Verfalldatums vor. Andere Formulierungen seien nicht zulässig, betonte Melhorn.

Nicht mehr erforderlich ist hingegen das Aufbringen des Gefahrstoffkennzeichens. Dieses habe sich als Anwendungshemmnis für manche Patienten herausgestellt, so die Referentin. Entsprechende schriftliche Hinweise könne man aber bei den Anwendungshinweisen unterbringen.

Alle Details zur korrekten Kennzeichnung von Rezepturen und Defekturen in der Apotheke gibt es im Video des Vortrages.

Rezeptur-Kennzeichnung: Der Teufel steckt im Detail 2017-11-09T15:27:25+00:00

Rezeptur live auf der pharma-world

Gängige Inkompatibilitäten nicht nur mit Worten beschreiben, sondern auch plastisch zeigen, das gelang den Rezeptur-Experten Dr. Jan Olgemöller und Iris Cutt in ihrer Präsentation auf der pharma-world-Bühne der expopharm. Reibschale und Rezepturwaage, Rührgerät und Ausstreichplatte und vieles mehr hatten sie dazu im Gepäck. Unter anderem Inkompatibilitäten durch Ionenpaarbindungen, Nebenvalenz-Wechselwirkungen und den Einfluss des pH-Wertes standen auf dem Programm.

Gelbe Ausflockungen bildeten sich, als Olgemöller Ethacridinlactat mit Anionischer Hydrophiler Creme als Grundlage mischte – zunächst kleine „Grisel“, bald danach größere Zusammenlagerungen. „Dabei handelt es sich nicht um ungelöstes Ethacridinlactat“, erläuterte er. Dieses löse sich in der wasserhaltigen Grundlage sehr gut. Der kationische Wirkstoff Ethycridin reagiere hingegen mit dem anionischen Emulgator Cetylstearylalkohol und löse diesen aus den Mizellen; die Creme bricht.

Mit Nichtionischer Hydrophiler Creme entstand hingegen eine einwandfreie homogene Zubereitung, denn diese enthält einen „macrogoligen“ Emulgator, ein Polythylenglykol. Diese Grundlage eigne sich für Ethacridin sehr gut, reagiere hingegen nachteilig mit phenolischen Substanzen wie Hydrochinon, erläuterte Cutt. Sie riet zu einem Blick die Tabellen für die Rezeptur, in denen viele Stoffe charakterisiert sind. Von den chemischen Eigenschaften könne man häufig noch vor dem Anfertigen der Rezeptur auf mögliche Inkompatibilitäten schließen, so Cutt.

Weitere Inkompatibilitäten gibt es im Video der Präsentation.

Rezeptur live auf der pharma-world 2017-11-09T15:27:28+00:00

pharma-world: Das erste Cannabis-Rezept

Was muss auf einem korrekt ausgefüllten Rezept über Cannabis stehen? Was muss man bei der Handhabung von Cannabis-Blüten beachten? Und welche Hinweise benötigt der Patient, der ja möglicherweise ebenfalls sein erstes Cannabis-Rezept in Händen hält? Antworten auf diese Fragen gab es im Vortrag von Apotheker Dr. Christian Ude auf der pharma-world.

Die Angabe „Cannabis“ auf dem Rezept, das ein Betäubungsmittel(BtM)-Rezept sein muss, reicht nicht. Der Arzt muss die Sorte der Blüten oder den Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) genau angeben. Daneben gelten die Bestimmungen des BtM-Gesetzes, wie etwa Höchstmengen oder Gebrauchsanweisung. Bei einer Erstverordnung für einen Patienten zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung muss außerdem zuvor durch den Arzt – ggf. gemeinsam mit dem Patienten – eine Genehmigung der Kostenübernahme eingeholt werden. Eine Prüfpflicht durch die Apotheke besteht nicht. Diese Genehmigung muss vor Therapiebeginn vorliegen, betonte Ude.

Es besteht der Verdacht, dass Cannabis-Inhaltsstoffe wärmeempfindlich sein könnten. Daher sollten die Blüten beim Patienten im Kühlschrank aufbewahrt werden. In der Apotheke ist dies laut aktueller DAB-Monografie aufgrund der kurzen Verweildauer in der Apotheke nicht notwendig. Wichtig ist, dass THC- und CBD-Gehalt auf der Packung angegeben werden. Alle weiteren Schritte entsprechen denen von anderen Teedrogen, wie beispielsweise Prüfung auf Identität und Abfüllung für einen Patienten.

Wie der Patient die Cannabis-Blüten anwenden soll, legt der Arzt fest. Wissenschaftlich gesehen, stellt der Einsatz von Cannabis-Blüten einen Rückschritt dar, sagte der Referent. Ein „Joint“ oder auch Kekse sind keine vorgesehenen Darreichungsformen. Bei Letzteren kann beispielsweise die Gleichförmigkeit des Gehalts nicht gewährleistet werden. Wenn Blüten eingesetzt werden soll, was für eine kleine bestimmte Patientengruppe trotz des beschriebenen „Rückschritts“ sinnvoll sein kann, dienen professionelle Verdampfer der Applikation; auch eine Tee-Zubereitung ist im NRF beschrieben. Hierbei kommt es auf eine ausreichende Beratung zur Herstellung des Tees an.

 

pharma-world: Das erste Cannabis-Rezept 2017-09-16T18:12:51+00:00

pharma-world: Evidenzbasierte Beratung bei Erkältungskrankheiten

Eine akute virale Rhinosinusitis kann im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden, wenn die Symptome nicht länger als seit fünf Tagen anhalten. Als Therapieoptionen nennt die europäische Leitlinie Analgetika, Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, Dekongestiva und ausgewählte pflanzliche Arzneimittel, erläuterte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz in seinem Vortrag auf der pharma-world.

Bei den pflanzlichen Arzneimitteln gebe es Belege für die Wirksamkeit und entsprechende Bewertungen für Cineol beziehungsweise Myrtol und für Pelargonium-Extrakte. Zu beachten ist jedoch, dass Studienergebnisse stets nur für den Extrakt gelten, mit dem die Untersuchung durchgeführt wurde. Auch Effektstärken und die jeweilige Zulassungslage müsse beachtet werden.

Gegen typische Erkältungsschmerzen helfen einem Cochrane Review zufolge nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, aber auch für die Wirkung von Paracetamol und Acetylsalicylsäure gebe es Belege. Allerdings wirken sie nicht gegen verstopfte Nasen. Hier wurden bisher bevorzug topische Zubereitungen eingesetzt, doch seit einiger Zeit findet ein Umdenken statt. So bescheinigen neuere Untersuchungen sowohl topischen als auch systemischen Dekongestiva eine gute Verträglichkeit. Allerdings erreichen topische Zubereitungen die Nasennebenhöhlen nicht. Sind diese betroffen, eignen sich systemische Dekongestiva besser. Am besten untersucht ist Pseudoephedrin.

Nasenduschen stellten sich in Studien als wirksam heraus, wenn sie als zusätzliche Maßnahme zu anderen Therapien angewendet wurden. Wichtig sei es außerdem, ausschließlich isotonische Lösungen zu verwenden.

pharma-world: Evidenzbasierte Beratung bei Erkältungskrankheiten 2017-09-15T14:54:15+00:00

pharma-world: Einsatz von Nährstoffen und Pflanzenextrakten

Probiotika nützen nicht nur der Darmgesundheit, sondern schützen auch vor und bei Harnwegsinfekten. Das wurde im Vortrag von Dr. Stephanie Grabhorn auf der pharma-world deutlich. So modulieren Probiotika beispielsweise das darmassoziierte Immunsystem, und sie sind an der Bildung von Immunglobulin A beteiligt, das in den Schleimhäuten gegen das Eindringen von Krankheitserregern schützt.

Im Darm schützen Probiotika über verschiedene Mechanismen vor pathogenen Keimen, so die Referentin. Sie verdrängen etwa Krankheitserreger, indem sie deren Haftstellen im Epithel besetzen. Daneben verursachen sie bei diesen durch Konkurrenz um Substrate einen Nährstoffmangel. Eine bakteriostatische oder bakterizide Wirkung besitzen sie, indem sie für pathogene Keime schädigende Umgebungen schaffen, etwa durch eigene Stoffwechselprodukte, pH-Verschiebung oder Veränderungen des Redoxpotenzials.

Auch vor und bei Harnwegsinfekten schützen Probiotika. So hemmen Laktobazillen das Wachstum von Krankheitserregern im Urogenitaltrakt durch Abgabe verschiedener Substanzen, etwa von Milchsäuren, bestimmten Proteinen oder Wasserstoffperoxid. Hierbei stellten Proanthocyanidine aus Cranberry einen sinnvollen Kombinationspartner dar, so Grabhorn. Diese vermindern unter anderem die Haftfähigkeit des häufigsten Erregers von unkomplizierten Harnwegsinfekten, Escherichia coli, an die Harnwegs- und Harnblasen-Schleimhäute.

pharma-world: Einsatz von Nährstoffen und Pflanzenextrakten 2017-09-14T15:29:46+00:00

pharma-world: Umgang mit der Dronabinol-Rezeptur

Beim Arbeiten mit Dronabinol sollte man dessen wichtigste physikochemische Eigenschaften kennen, sagte Apotheker Dr. Christian Ude in seinem Vortrag auf der pharma-world. Die Rezeptursubstanz, die dem wirksamkeitsbestimmenden Cannabis-Inhaltsstoff (-)-trans-Δ9Tetrahydrocannabinol (THC) entspricht, erlaubt die Herstellung von öligen Tropfen und Kapseln mit definierter THC-Menge. Die problematische Verwendung von Blüten hatte Professor Dr. Theo Dingermann in seinem Vortrag am Mittwoch erläutert.

Dronabinol ist eine hellgelbe, bei Raumtemperatur ölige bis harzige Masse. Es ist löslich in Ethanol und fetten Ölen, nicht aber in Wasser. Die empfindliche Substanz muss dicht verschlossen, gegebenenfalls unter Inertgas, vor Licht geschützt und bei Raumtemperatur gelagert werden. Drei wichtige Punkte beim Arbeiten: Dronabinol wird leicht durch Luftsauerstoff oxidiert, daher muss man schnell arbeiten. Es ist temperaturempfindlich, daher muss man den erforderlichen Fön mit Vorsicht einsetzen. Bei Verwendung eines Wasserbades muss man vermeiden, dass Wasser in die Zubereitung gerät.

Auch den Patienten sollte man einige wichtige Hinweise im Umgang mit ihrem Arzneimittel mitgeben, riet Ude weiter. So dürften sie ihre Tropfen nicht mit Wasser verdünnt einnehmen, da die in Wasser unlösliche Substanz als Film im Glas zurückbleiben könnte und es so zu einer Unterdosierung kommen kann. Die Einnahme sollte „standardisiert“ – also unter immer gleichen Bedingungen – erfolgen, im Idealfall vor dem Essen. Die Tropfen dürfen außerdem nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden.

pharma-world: Umgang mit der Dronabinol-Rezeptur 2017-09-14T14:15:12+00:00

pharma-world: Den Rücken stützen

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für eine Arbeitsunfähigkeit, berichtete Heilpraktikerin Elke Niebergall in ihrem Vortrag auf der pharma-world. Laut einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse stehen sie hierbei an dritter Stelle und bei den Fehlzeiten (Zahl der Arbeitsunfähigkeits-Tage) sogar auf Platz zwei.

Die Gründe dafür sind vielfältig: zu wenig Bewegung im Alltag, aber auch Erkrankungen wie Osteoporose oder Verletzungen sowie Probleme im Bewegungsapparat, die die nötige Bewegung zusätzlich erschweren. Zu diesen gehören nicht zuletzt verklebte Faszien. Die vielen Patienten noch wenig bekannten Strukturen gehören zusammen mit Sehnen und Bändern zu den Bindegeweben und spielen für die Beweglichkeit eine wichtige Rolle. Darüber hinaus schützen sie Gefäße und Nerven, spielen eine Rolle im Stoffwechsel und übermitteln Informationen.

Niebergall stellte eine offene, nicht-interventionelle Studie (NIS) zur Wirkung eines homöopathischen Komplexmittels (Ranocalcin®) vor. 142 Teilnehmer, die an Schwächezuständen des Stütz- und Bindegewebes sowie der Knochen litten, erhielten dabei insgesamt drei Monate lang das Testpräparat. Zu Studienbeginn, nach sechs Wochen sowie drei Monate nach Beginn der Behandlung wurde der klinische Befund von einem Arzt erhoben. Dabei zeigte sich eine deutliche Besserung der Beschwerden, mehr Beweglichkeit und eine reduzierte Schonhaltung. Auch Erschöpfungszustände und Niedergeschlagenheit verbesserten sich stark. Insgesamt stuften 80 Prozent der Therapeuten und 76 Prozent der Patienten die Wirksamkeit des homöopathischen Arzneimittels als gut bis sehr gut ein. Darüber hinaus zeigt die Studie die gute Verträglichkeit des Testpräparates.

pharma-world: Den Rücken stützen 2017-09-14T11:28:24+00:00

pharma-world: Aktuelle Prophylaxe und Therapie der Migräne

Hochrechnungen zufolge komme es in Deutschland täglich zu über 300.000 Migräneanfällen, sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz in seinem Vortrag auf der pharma-world. Den häufig starken bis sehr starken Kopfschmerzen und den oft ebenfalls auftretenden Aura- und Begleitsymptomen liegen verschiedene Pathomechanismen zugrunde: unter anderem eine Erweiterung von Hirnhautgefäßen, eine erhöhte Trigeminus-Aktivität und eine aseptische Entzündungsreaktion. Verschiedene Neurotransmitter spielen dabei eine Rolle. Charakteristisch ist unter anderem, dass sich die Beschwerden bereits bei geringster Aktivität verschlechtern. Selbst einfache Verrichtungen des Alltags sind den Betroffenen nicht mehr möglich.

Für die Selbstmedikation bei Migräne und beim Kopfschmerz vom Spannungstyp steht eine gleichnamige gemeinsame S3-Leitlinie mehrerer Fachgesellschaften zur Verfügung. Als Mittel der ersten Wahl stehen danach neben einer fixen Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Coffein, für die die Fachgesellschaften eine hervorgehobene Empfehlung aussprechen, die Einzel-Wirkstoffe ASS, Ibuprofen, Naratriptan und Phenazon in ausreichender Dosierung zur Verfügung. Über Coffein als Kombinationspartner wurde lange Zeit kontrovers diskutiert. Vermutet wurde ein Anreiz zum Über- und Fehlgebrauch durch eine stimulierende Wirkung. Coffein steigere als Koanalgetikum die Wirkung von ASS, Ibuprofen und Paracetamol, was vor allem durch seine antagonistische Wirkung an Adenosinrezeptoren erklären lasse, so der Referent weiter.

Viele Patienten suchten mit ihren Beschwerden keinen Arzt auf. Apothekerinnen und Apotheker trügen daher in der Beratung ein hohes Maß an Verantwortung für die Therapie, mahnte Schubert-Zsilavecz.

pharma-world: Aktuelle Prophylaxe und Therapie der Migräne 2017-09-13T15:28:09+00:00

pharma-world: Evidenzbasierte Selbstmedikation

„Beratung in der Selbstmedikation auf der Basis des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes – evidenzbasierte Selbstmedikation – umfasst mehr als die Kenntnis der neuesten Studien“, betonte Dr. Martin Weiser, Apotheker und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) in seinem Vortrag auf der pharma-world. Der Königsweg zu evidenzbasierter Selbstmedikation bestehe vielmehr aus der Synthese von externer und interner Evidenz. „Der Patient – seine Bedürfnisse und Wünsche – stehen dabei im Mittelpunkt“, sagte er weiter.

Zur Erinnerung: Die externe Evidenz besteht in der wissenschaftlichen Evidenz. Sie beruht auf randomisierten kontrollierten Studien und Metaanalysen, aber auch auf Kohortenstudien und Fallkontrollstudien oder Expertengutachten – mit je unterschiedlichem Evidenzgrad. Evidenzbasierte Medizin (EbM) setze dabei nicht auf die theoretisch bestmögliche, sondern die jeweils beste verfügbare Evidenz. Die interne Evidenz in der Selbstmedikation ruht auf zwei Säulen: der Erfahrung und der Kompetenz des Apothekers und den individuellen Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen des Patienten. „Der Schlüssel zum Therapieerfolg liegt in der Kommunikation“, sagte Weiser.

Der Referent wies auch auf einen neuen Newsletter für die Apotheke hin, die EVInews (www.evinews.de). Sie erscheinen seit Mai 2017 zweimal monatlich und sind noch bis zum Jahresende kostenlos beziehbar.

pharma-world: Evidenzbasierte Selbstmedikation 2017-09-13T12:54:11+00:00

pharma-world: Herausforderung Cannabis

Cannabis – eine Herausforderung für die Apotheke. Mit seinem Referat zu diesem anspruchsvollen Thema eröffnete Professor Dr. Theo Dingermann heute das diesjährige Vortragsprogramm der pharma-world. Er erläuterte, warum Vertretungen aus Ärzte- und Apothekerschaft eine erweiterte Verordnungsfähigkeit für cannabinoidhaltige Arzneimittel befürworten, eine Verordnungsfähigkeit von getrockneten Cannabis-Blüten und -Extrakten hingegen ablehnen.

Für Arzneimittel mit Cannabis-Wirkstoffen kommen aufgrund ihrer vielfältigen Effekte verschiedene Einsatzmöglichkeiten infrage. Dazu gehören durch die Wirkungen über das zentrale Nervensystem unter anderem Schmerzlinderung und Verminderung von Spastiken bei Multipler Sklerose oder die Reduktion von Übelkeit und Erbrechen. Periphere Effekte, etwa in Leber und Fettgewebe, sind für Gewichtszunahmen und anabole Wirkungen beziehungsweise Appetitsteigerung verantwortlich.

Ein Gleichungssystem mit sehr vielen Variablen stellt dabei die Anwendung Cannabis-Blüten und -Extrakten dar. So zeigen die verschiedenen Varietäten von Cannabis-Blüten, die zum Einsatz in der Medizin bestimmt sind, unterschiedliche vorrangige Effekte. Weitere Unbekannte stellen zudem die verschiedenen Applikationsformen dar. So wirkt gerauchtes Cannabis schneller und kürzer als vergleichbare oral anzuwendende Produkte. Bislang keine Erfahrung gibt es für die Anwendung von Inhalatoren. Daten zur Bioverfügbarkeit liegen jeweils noch nicht vor.

Dass Cannabis nicht gleich Cannabis ist, zeigt sich auch im nicht-medizinischen Gebrauch. So rufen Cannabis-indica-Arten eher einen trägen Rausch hervor („stony high“), Cannabis-sativa-Arten hingegen eher einen fröhlichen, „aufgekratzten“ Rauschzustand („cerebral high“).

pharma-world: Herausforderung Cannabis 2017-09-13T11:21:47+00:00