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pharma-world | Obstipation: Biorhythmus und Behandlung

Wie viele andere Vorgänge folgt auch die Verdauung einer circadianen Rhythmik. So kommt der Dickdarm jeweils nach den Mahlzeiten sowie in Morgenstunden besonders stark in Bewegung. Das gelte auch bei Patienten mit chronischer Obstipation, erläuterte Professor Dr. Stefan Müller-Lissner, Berlin, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. Doch sei die Dickdarm-Motilität im Vergleich zu Gesunden vermindert. In Ruhe zu frühstücken und sich anschließend ausreichend Zeit für den Stuhlgang zu nehmen, sei daher eine gute Empfehlung, die sich den natürlichen Biorhythmus zunutze macht.

Zusätzliche Trinkmengen helfen hingegen nur Patienten mit einem Flüssigkeitsdefizit. Bei gut versorgten Patienten habe diese gängige Empfehlung keinen Effekt auf den Stuhlgang, so Müller-Lissner weiter. Mehr Bewegung – eine weitere häufige Empfehlung – könnte zwar die Verdauung anregen, doch werde dieser Rat nur selten umgesetzt.

Laxanzien unterstützen die Darmentleerung über unterschiedliche Mechanismen. Mitunter müssen Patienten mit chronischer Verstopfung verschiedene Laxanzien versuchen, um das für sie geeignete zu finden. Mit verschiedenen Vorurteilen zu deren Verwendung räumte der Referent auf. Das vollständige Video des Vortrages gibt es hier.

 

pharma-world | Obstipation: Biorhythmus und Behandlung2019-03-18T17:35:01+02:00

pharma-world | Hilfe bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden

Ein breites Spektrum an Beschwerden in Magen oder Darm, aber keine strukturellen oder biochemischen Veränderungen – dies kennzeichnet die funktionelle Dyspepsie (FD) und das Reizdarmsymptom (RDS), berichtete Dr. Mario Wurglics, Frankfurt am Main, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. Bauchschmerzen, Blähungen und Schmerzen sind nur einige der häufigsten Symptome, die oft auch in Kombination auftreten können. Unterscheiden lassen sich beide Erkrankungen durch die Lokalisation der Beschwerden: Bei einer FD treten die Symptome eher oberhalb der Gürtellinie auf, bei einen RDS eher unterhalb davon.

Bei Patienten mit FD stellen Protonenpumpenhemmer (PPI) ein wichtige Therapieoption dar – vor allem Patienten mit Sodbrennen. Bei Patienten ohne Sodbrennen könnte der Einsatz sogar kontraproduktiv sein, führte Wurglics weiter aus. Im direkten Vergleich mit PPI als weniger wirksam haben sich H2-Antagonisten erwiesen. Keine Evidenz gebe es für Antazida. Wichtig für die Beratung: Medikamentöse Therapieoptionen stellen nur eine Säule der Behandlung dar. Die beiden anderen: eine Änderung von Lebensgewohnheiten und eine Verringerung von Stress. So sollten Patienten darauf achten, welche Lebens- und Genussmittel ihre Beschwerden verstärken. Apotheker und PTA sollten außerdem die Warnzeichen für mögliche schwerwiegende Erkrankungen kennen und in solchen Fällen zum Arztbesuch raten.

Die Therapieoptionen in Detail und die Grenzen der Selbstmedikation gibt es im Video des Vortrages.

pharma-world | Hilfe bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden2019-03-18T17:33:02+02:00

pharma-world | Kapselherstellung: Gravimetrische Methode für niedrig dosierte Kapseln

Wiegen, wiegen, mischen, einfüllen, kontrollieren – fertig! Dass die gravimetrische Methode gar nicht so kompliziert ist, wie sie mitunter erscheint, demonstrierten in einem Live-Cooking auf der pharma-world die Apothekerinnen Dr. Julia Potschadel und Dr. Sandra Barisch. Die gravimetrische Methode kommt bei der Herstellung von niedrig dosierten Kapseln zum Einsatz – und nur dort, betonte Sandra Barisch. Für höher dosierte Kapseln und Kapseln, die aus Fertigarzneimitteln hergestellt werden, eignet sie sich nicht.

Oberflächeneffekte spielen dabei eine zentrale Rolle. Wichtig sei, den Kontakt der Wirkstoff-Hilfsstoff-Mischung mit Oberflächen zu reduzieren, erläuterte Julia Potschadel. „Dabei entstehende Anhaftungen bestehen eher aus Wirkstoff als aus Hilfsstoff, da letzterer diesbezüglich praktisch inert ist.“ Auf den Einsatz eines Messzylinders verzichtet man daher. Neben dem Einwaage-Korrekturfaktor und, falls erforderlich, einem Korrekturfaktor bei einer Wirkstoff-Siliciumdioxid-Vorverreibung spielt für die korrekte Dosierung ein spezifischer Wirkstoffzuschlag eine wichtige Rolle. Die Zuschläge für die einzelnen Wirkstoffe erarbeiten derzeit das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) und das Neue Rezeptur Formularium (NRF), etliche liegen bereits vor.

Das Live-Cooking zeigte auch, welche kleinen Nachlässigkeiten und Fehler sich zu einer deutlichen Qualitätsminderung addieren können – sogar in einer Messehalle und im direkten Vergleich zur korrekten Durchführung. Das belegte eindrucksvoll die abschließende Qualitätskontrolle mittels eines einfach anzuwendenden NRF-Excel-Tools.

Viele Details zur Herstellung niedrig dosierter Kapseln mit der gravimetrischen Methode gibt es im Video.

pharma-world | Kapselherstellung: Gravimetrische Methode für niedrig dosierte Kapseln2019-03-18T17:37:01+02:00

pharma-world | Bluthochdruck: Korrekt messen und leitliniengerecht behandeln

Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte erhöhen das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Am deutlichsten sähe man dies bei den Schlaganfällen, sagte Professor Dr. Carsten Böger, Klinikum Traunstein, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. „Wenn man den Bluthochdruck behandelt, nimmt die Zahl der Schlaganfälle ab.“ Weitere häufige Folgen der Hypertonie sind Herz- und Nierenerkrankungen.

Laut aktueller Leitlinie als zu hoch und damit behandlungsbedürftig gelten Blutdruckwerte über 140/90 mmHg. Liegen Grunderkrankungen vor, etwa eine Niereninsuffizienz oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, kann bereits bei hochnormalen Werten ab 130:85-95 mmHg eine blutdrucksenkende Therapie angezeigt sein. Auch für das Ziel der Senkung gibt es eine Empfehlung: Sol sollten die Werte nicht unter einen systolischen Wert von 120 mmHg gesenkt werden. Diastolische Werte unter 80 mmHg könnten jedoch in einzelnen Fällen in Ordnung sein, so Böger weiter.

Für die Diagnose einer Hypertonie, aber auch bei der Therapiekontrolle spielen verlässliche Messwerte eine zentrale Rolle. Bei der Messung gilt es daher, eine Reihe von Punkten zu beachten. Einige davon: Bereits in den 30 Minuten vor der Messung sollten die Patienten auf Kaffee, Sport und Rauchen verzichten. Vor der Messung sollte außerdem die Harnblase entleert werden, und es sollte eine Ruhephase von mindestens fünf Minuten eingehalten werden. Böger: „Fünf Minuten gar nichts tun: Nicht reden, nicht fernsehen, nicht Zeitung lesen.“

Über zahlreiche weitere Aspekte – unter anderem über die korrekte Haltung bei der Messung oder die geeignete Größe der Blutdruckmanschette – informiert das Video.

pharma-world | Bluthochdruck: Korrekt messen und leitliniengerecht behandeln2019-03-18T17:40:09+02:00

pharma-world | Eigenherstellung: „Es geht mehr als nur Rezeptur.“

Mit Eigenherstellungen können Apotheken bei Kunden und Patienten punkten, doch viele schrecken bei der Herstellung von Defekturen, Standardzulassungen und unechten Hausspezialitäten vor allem wegen der erforderlichen Dokumentation zurück – unnötigerweise, wie Apotheker Lars Peter Frohn in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm ausführte.

Voraussetzung für eine Herstellung im Rahmen der Defektur ist eine häufige ärztliche Verordnung des entsprechenden Arzneimittels. Da es sich um eine „Rezeptur auf Vorrat“ handelt, entfalle eine explizite Plausibilitätsprüfung, erläuterte Frohn. Sie habe im Rahmen der Anfertigung als Rezeptur bereits stattgefunden.

Abschreckend wirke vor allem die Risiko-Bewertung, so der Referent weiter. Diese lasse sich jedoch auf der Grundlage der fünf geforderten Kriterien – jährliche Produktionsmenge, Applikationsart und Darreichungsform, inhärente Risiken des Wirkstoffs, Herstellungsprozess sowie Abgabe – sehr einfach durchführen. Letztendlich bedeute die Risikobewertung nicht einmal einen Mehraufwand, da der Prüfaufwand durch sie enorm reduziert werde.

Mit Hilfe des DAC lassen sich die Anfertigungen in drei Risiko-Klassen einteilen. Die Zuordnung lasse sich durch ein Online-Tool leicht und rasch erledigen. Auf der expopharm konnten Interessierte es sich beim DAC/NRF auf der Avoxa-Standfläche anschauen und sich die Anwendung von den Experten erklären lassen.

Den vollständigen Vortrag gibt es in diesem Video.

pharma-world | Eigenherstellung: „Es geht mehr als nur Rezeptur.“2019-01-31T12:58:22+02:00

pharma-world | Cannabis: Fit für die Rezeptur

Cannabis stellt als Kombination aus pflanzlichem Material, Betäubungsmittelgesetz und Rezeptur in der Apotheke eine besondere Herausforderung dar. „Jedes für sich betrachtet ist schon einigermaßen aufwendig“, sagte Apotheker Dr. Christian Ude, Darmstadt, in seinem Vortrag auf der pharma-world. „Die Kombination erscheint unüberwindbar, ist sie aber nicht.“ So gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Arbeitshilfen, zum Beispiel die Herstellungsvorschriften des Neuen Rezeptur Formulariums (NRF) oder Prüf- und Herstellungssets von Anbietern der Rezeptur-Ausgangssubstanzen.

Für die Entnahme von Dronabinol-Tropfen aus der Flasche stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung: die gängigen Tropfmonturen, Kolbenpumpen oder Dosierpumpen. In seiner Apotheke gebe man Dronabinol-Tropfen ausschließlich mit Dosierpumpe ab, erläuterte Ude. Der Grund: Die Tropfengröße ist temperaturabhängig, sodass mit einer Tropfmontur keine reproduzierbare Dosierung gewährleistet werden könne. Bei Verwendung einer Dosierpumpe entsprächen drei Hübe der empfohlene NRF-Dosierung von 2,5 mg. Diese kann durch die Zahl der Hübe leicht nach unten oder oben angepasst werden.

Mehr Hintergrundwissen und Tipps für den täglichen Umgang mit Cannabis gibt es in diesem Video.

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pharma-world | Cannabis: Fit für die Rezeptur2019-01-28T15:26:41+02:00

pharma-world | Cannabisblüten: Antworten für die Apothekenpraxis

Die Anwendung von Cannabisblüten stellt für Patienten mitunter eine Herausforderung dar. Doch neben dem Nachteil der beratungsintensiven Anwendung gebe es auch Gesichtspunkte, die für einen Einsatz der Blüten sprächen, erläuterte Apothekerin Astrid Staffeldt aus der Falken-Apotheke in Hannover in ihrem Vortrag auf der pharma-world. Dazu gehörten die große Bandbreite der Einsatzgebiete und die verschiedenen Anwendungsarten. Mehr pharmazeutische Forschung sei jedoch erforderlich, um das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe besser zu verstehen. Nicht nur THC und CBD spielen dabei eine Rolle. „Auch zahlreiche Terpene wie Myrcen, Limonen oder Pinen haben Einfluss auf die Gesamtwirkung.“

Für die Anwendung mit einem Verdampfer dürfen die Blüten nicht zu klein geschnitten werden, denn zu kleine Partikel könnten den Verdampfer verunreinigen und außerdem unverdampft inhaliert werden, führte die Referentin weiter aus. Leider schreibe die Monographie keine Mindestgröße vor. Falls Patienten selbst die Blüten zerkleinerten, könnten sie sich an gerebeltem Thymian aus der Küche zu orientieren.

Den aspektreichen Vortrag gibt es im Video.

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pharma-world | Cannabis: Pionierarbeit und Potenzial

Deutschland habe bei der Erarbeitung einer Prüfvorschrift für Cannabis-Blüten Pionierarbeit geleistet, sagte Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, in seinem Vortrag zu dem Schwerpunktthema auf der pharma-world der expopharm in München. Seit 2016 gibt es eine Monographie im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC). Ein Jahr später ist diese mit einer für die Apotheken wichtigen Änderung in das Deutsche Arzneibuch (DAB) übernommen worden: Für die Lagerung von Cannabis-Blüten sind seitdem nicht mehr Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) vorgeschrieben, sondern Temperaturen unter 25 °C. Demnächst soll die Monographie auch in das Europäische Arzneibuch übernommen werden.

Cannabis sei eine Arzneipflanze mit Potenzial, so Dingermann weiter. Es lohne sich, hier weiterzumachen. „Wir werden hier eine stürmische Entwicklung sehen, nicht nur was Fertigarzneimittel anbelangt, sondern auch was Sorten.“ Die drei Sorten Cannabis indica, Cannabis sativa und Cannabis ruderalis definierten sich weniger botanisch als durch ihren Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Dingermann: „Muss man hier zukünftig komplexer denken?“

Den vollständigen Vortrag gibt es im Video.

pharma-world | Cannabis: Pionierarbeit und Potenzial2018-12-13T17:16:46+02:00

pharma-world | Dronabinol: Von der Bestellung über die Herstellung bis zur Abgabe

Über alle Themen rund um Dronabinol können sich die expopharm-Besucher bei Aussteller Bionorica ethics auf dem Areal der pharma-world in Halle B5 informieren. Ausgewählte Aspekte waren Gegenstand des Fachinterviews, das dort am Freitag unter der Moderation von Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, stattfand. Im Vordergrund standen Service und Unterstützung, die den Apotheken im Umgang mit dem sensiblen Wirkstoff zur Verfügung stehen. „Für jeden Schritt von der Bestellung über die Eingangs- und Plausibilitätsprüfung sowie die Herstellung von wahlweise Tropfen oder Kapseln bis hin zur Abgabe des Arzneimittels an den Patienten bietet Bionorica ethics alle Services und verschiedene Arbeitshilfen an“, informierte Kristin Mann, Leiterin Marketing & Sales bei Bionorica ethics. Expopharm-Besucher können sich am Stand über alle Punkte aus erster Hand informieren.

Auch die Frage, warum Dronabinol „nur“ als Rezeptursubstanz und nicht als Fertigarzneimittel zur Verfügung steht, wurde heute wieder gestellt. Vor allem der Faktor Zeit spielt hier die Hauptrolle. In der kurzen Zeit seit Beginn der Erstattungsfähigkeit im März 2017 habe man keine Studien durchführen und keine Zulassung beantragen können, sagte Mann. Diese seien aber geplant. Einzelheiten sind jedoch noch nicht bekannt. Der Einsatz in Form von Rezepturen beinhalte aber auch einen Vorteil, ergänzte Dingermann: Fertigarzneimittel seien stets für bestimmte Anwendungsbereiche zugelassen, die Anwendung außerhalb der Indikation häufig schwierig.

Mehr zum Thema Dronabionol gibt es am Stand von Bionorica ethics auf dem Areal der pharma-world in Halle B5. Cannabis ist als Schwerpunkt-Thema der diesjährigen pharma-world außerdem Gegenstand verschiedener Vorträge.

pharma-world | Dronabinol: Von der Bestellung über die Herstellung bis zur Abgabe2018-10-13T11:14:17+02:00

pharma-world | Wie Erkältungsviren die innere Uhr nutzen

Die innere Uhr steuert nicht nur das Schlaf- und Wachverhalten des Menschen, sie beeinflusst darüber hinaus zahlreiche weitere Vorgänge, zu denen auch Immunprozesse gehören. Auf welche Weise sie Einfluss auf den Verlauf von Erkältungskrankheiten nehmen kann, erläuterte Professor Dr. Achim Kramer, Berlin, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm.

Jede einzelne Zelle werde durch eine innere Uhr gesteuert, so Kramer weiter. Nach dem Befall von Zellen durch Erkältungsviren kommt es demnach zu einem wechselseitigen Geschehen: Im Idealfall nimmt die innere Uhr der Wirtszelle Einfluss auf die Virenvermehrung, indem sie deren Hemmung unterstützt; umgekehrt sind die eingedrungenen Viren ihrerseits in der Lage, die innere Uhr der Zelle „zu verstellen“ und so die Hemmung ihrer Vermehrung außer Kraft zu setzen. „Der Zeitpunkt der Ansteckung kann für die Ausprägung der Symptomatik und ihren zeitlichen Verlauf entscheidend sein“, erklärte der Referent. Eine „starke“ innere Uhr könne die Abwehrkräfte stärken. Zudem könnte auch die Behandlung von Erkältungskrankheiten von chronotherapeutischen Ansätzen, wie man sie bei anderen Erkrankungen bereits angewendet werden, profitieren.

pharma-world | Wie Erkältungsviren die innere Uhr nutzen2018-10-12T14:48:57+02:00