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expopharm | 3 Fragen an Ulrich Sommer

Ulrich Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Apotheker- und Ärztebank
„Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, all die jungen Pharmazeuten zu unterstützen, die ihr Wissen und Können im direkten Austausch in der Apotheke vor Ort zur Verfügung stellen wollen.“

1) Apothekenübernahmen und –gründungen: Was sind die größten Herausforderungen für junge Apotheker

Der Apothekenmarkt ist sehr heterogen, die typische Durchschnittsapotheke gibt es so nicht mehr. Unsere Auswertungen zeigen bei den Apothekenkaufpreisen und den Einnahmensituationen eine große Spreizung. Einerseits beobachten wir immer wieder, dass für Apotheken kein oder lediglich ein kleiner symbolischer Kaufpreis gezahlt wird, andererseits wurden im vergangenen Jahr laut unserer Analysen ein Fünftel der Apotheken für hohe sechsstellige, teils siebenstellige Summen an Nachfolger übergeben. Es gibt also inzwischen vom kleinen bis zum mittelständischen Unternehmen eine große Bandbreite an Möglichkeiten, entsprechend ist es für den angehenden Existenzgründer wichtig herauszufinden, welcher Unternehmertyp er ist. Die Finanzierung wird dabei häufig als Hürde am stärksten überschätzt. Doch die anfangs befürchteten Risiken erweisen sich im Nachhinein als überschaubar. Insgesamt können wir feststellen, dass gut geplante Existenzgründungen fast ausnahmslos erfolgreich sind.

2) Und mit welchen Problemen kämpfen Apotheker, die Nachfolger suchen?

Seit Jahren werden immer wieder Apotheken geschlossen, weil sie keinen Nachfolger finden. Die aktuellen Unsicherheiten über die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen begünstigen vermutlich noch diese Entwicklung. Viele Fragen zu Themen wie Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel oder mögliche Folgen des Honorar-Gutachtens des BMWi sind noch ungeklärt. Zudem ergab eine apoBank-Studie zum Zukunftsbild der Heilberufe, dass viele der jungen Pharmazeuten nicht die kurative Tätigkeit in der Apotheke anstreben. Und das liegt nicht an den Verdienstmöglichkeiten, denn der Weg in die eigene Offizin rentiert sich in der Regel schon nach kurzer Zeit – das belegen unsere eigenen Analysen. Es ist vielmehr das Berufsbild des Pharmazeuten in der Apotheke, das vor allem mit dem Verkauf von Arzneimitteln assoziiert wird und wenig Spielraum für die pharmazeutische Expertise bietet. Denn häufig ist Patienten nicht bewusst, welche Fachkompetenz und Unterstützung ein Apotheker bereithält.

3) Mit Know-how und Event-Formaten wird die expopharm 2019 gezielt junge Apotheker ansprechen. Was ist wichtig für deren Unterstützung?

Auch wenn unsere Studie zeigt, dass fast jeder zweite Pharmazeut außerhalb der Offizin tätig sein will, so wollen immer noch über die Hälfte in einer Apotheke wirken. Für sie müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Freiraum dafür bieten, ihre beruflichen Vorstellungen zu verwirklichen und ihre innovativen Ideen entwickeln zu können. Das kann im Bereich der Präventivmaßnahmen, der Medikationsanalyse und des Medikationsmanagements sein oder beim Coaching der Patienten, um die vom Arzt identifizierten Therapieziele zu erreichen. Dazu gilt es aber, das Berufsbild des Apothekers in seiner eigenen Apotheke zu stärken und auch finanziell attraktiv zu halten. Die Vergütung muss so gestaltet sein, dass die Existenzgrundlage der Apotheker auch gewährleistet ist. Ich bin sicher: Die pharmazeutischen Kompetenzen in der Apotheke könnten im Gesundheitsmanagement jedes einzelnen Bürgers eine noch viel größere Rolle spielen. So ist es auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, all die jungen Pharmazeuten zu unterstützen, die ihr Wissen und Können im direkten Austausch in der Apotheke vor Ort zur Verfügung stellen wollen.

expopharm | 3 Fragen an Ulrich Sommer2018-10-16T09:26:20+00:00

expopharm 2018: Trendsetter für die Apothekenzukunft

Eschborn/München 13. Oktober 2018 – Mit starken Signalen für die Zukunftsorientierung des Apothekenmarktes ging heute (Samstag) in München die expopharm 2018 zu Ende. Mehr als 25.000 Fachbesucher aus dem In- und Ausland kamen auf das Münchner Messegelände, um sich auf der pharmazeutischen Leitmesse Europas über die innovativen Lösungen und Konzepte von über 500 Ausstellern zu informieren.

Knapp vier Monate bevor im Februar 2019 mit securPharm die deutsche Umsetzung der europäischen Fälschungsrichtlinie an den Start geht, stand das Megathema Digitalisierung im besonderen Fokus. „Die räumliche und zeitliche Nähe von expopharm und Deutschem Apothekertag hat sich in diesem Jahr einmal mehr bewährt“ erklärte Metin Ergül, Geschäftsführer der Avoxa, die die expopharm im Auftrag der deutschen Apotheker ausrichtet. Die Delegierten des Apothekertages forderten die zügige Einführung des elektronischen Rezepts (E-Rezept) und einen klaren Zeitplan zur Umsetzung der Prozesse für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit. Zur stufenweisen Einführung des E-Rezepts soll zunächst eine modellhafte Erprobung in Baden-Württemberg erfolgen. Die dabei entwickelte Systemlösung soll in eine flächendeckende Anwendung überführt werden. „Kooperations- und Technologiepartner dieses Modellprojektes ist die zur Avoxa gehörende Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA), die auch die Gematik-konforme Technologie entwickelt. Auf der expopharm konnten die Besucher sich über erste Ergebnisse informieren“, so Ergül. „Es besteht kein Zweifel daran, dass die Apotheker derzeit im Zukunftsfeld Digitalisierung proaktiv und mit großem Vorsprung vorangehen.“

Insgesamt stand die Digitalisierung auf der Messe im besonderen Fokus. Um den Besuchern den Überblick über die vielfältigen Angebote zu erleichtern, hatte die expopharm in diesem Jahr erstmals geführte Rundgänge zum Thema Digitalisierung angeboten, die das etablierte Format der Rezepturrundgänge ergänzten. „Mit mehr als 450 Teilnehmern an diesen Rundgängen wurden unsere Erwartungen weit übertroffen“, erklärte Petra Lutz, Geschäftsbereichsleiterin Messen und Kongresse der Avoxa „Der Apothekenmarkt ist mit seiner technologischen Innovationskraft im Gesundheitssystem führend“,  so Lutz. „Davon konnten sich die Besucher an vielen Ausstellungsständen überzeugen.“

Neben der Digitalisierung stieß auch die pharma-world als Plattform für pharmazeutisch erstklassigen Wissenstransfer wieder auf besonderes Interesse der Messebesucher. In den dortigen Vorträgen wurde unter anderem über die Valsartan-Problematik und den Einsatz von Cannabis informiert. Ebenfalls gut besucht war eine Podiumsdiskussion des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden über Chancen und Nebenwirkungen des Pharmaziestudiums. Auf lebhaftes Interesse stießen schließlich die in den Vortragspausen stattfindenden moderierten Diskussionen auf den Messeständen, die das gegenseitige Verständnis für die Bedürfnisse von Industrie und Apothekern noch weiter voranbrachten. Am Samstag war das Programm mit ausgewählten Themen und besonders beratungsorientierten Vorträgen wieder auch auf PTA ausgerichtet. Für diese Zielgruppe wurden neben dem beliebten PTA-Forum Live auch von jungen Pharmazeuten geführte PTA-Rundgänge als Pilotprojekt angeboten.

Dass die aktuellen Marktentwicklungen auf der expopharm konkret erlebbar sind, kam bei Ausstellern und Besuchern sehr gut an. Bei ersten Befragungen erhielt die Messe durchweg gute Noten. Hier – so die einhellige Meinung der Befragten – setzen die Apothekenpartner die Trends, die den Markt im nächsten Jahr beherrschen.

Das expopharm Team arbeitet schon jetzt an neuen Formaten, um die unterschiedlichen Zielgruppen auf der expopharm 2019 noch passgenauer zusammenzuführen. Dann trifft sich der Apothekenmarkt wieder am Rhein. Die expopharm 2019 findet vom 25. bis 28 September 2019 in Düsseldorf statt.

Die Pressemitteilung können Sie auch hier downloaden.

Bilder zur expopharm 2018 zur freien Verwendung finden Sie als druckfähige Dateien hier und alle Impressionen in der Mediathek.

expopharm 2018: Trendsetter für die Apothekenzukunft2018-11-07T13:03:24+00:00

pharma-world | Coffein macht Analgetika schneller und stärker

Analgetika sind im Bereich OTC die am besten untersuchten Arzneimittel. Über Kombinationen mit Coffein informatierte Professor Dr. Thomas Herdegen, Kiel, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm. Angewendet werden rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel in zahlreichen Bereichen. Die Wirkstoffe linderten nicht nur Schmerzen, sie werden unter anderem auch als Entzündungshemmer und zur Fiebersenkung verwendet.

Für Patienten spielt nicht zuletzt die Geschwindigkeit, mit der Kopfschmerz gelindert wird, eine wichtige Rolle. Zwar lasse sich diese durch eine Einnahme auf nüchternen Magen steigern, führte Herdegen aus. Doch im Alltag träten Kopfschmerzen meistens nicht dann auf, wenn der Magen leer sei. Der Zusatz von Coffein steigere nicht nur die Wirkgeschwindigkeit, sondern es verstärke außerdem nebenwirkungsfrei die Wirkung der analgetischen Substanz, sodass diese niedriger dosiert werden könne, so der Referent weiter. Dadurch sinke das Risiko von Nebenwirkungen durch den Schmerzwirkstoff.

Als mögliche Kombinationspartner von Coffein nannte Herdegen Acetylsalicylsäure (ASS) und/oder Paracetamol sowie Ibuprofen. Coffein sei im Dosisbereich von etwa 50 bis 150 mg ein zuverlässiges Koanalgetikum. Das hätten zahlreiche Studien gezeigt. Außerdem sei es in der Lage, den Ceiling-Effekt von Ibuprofen zu durchbrechen. Die Bedeutung des Wirkverstärkers Coffein spiegelt sich auch in der aktuellen Migräne-Leitlinie wider, in der die Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein als Mittel der 1. Wahl aufgeführt ist.

pharma-world | Coffein macht Analgetika schneller und stärker2018-10-15T10:41:25+00:00

pharma-world | Dronabinol: Von der Bestellung über die Herstellung bis zur Abgabe

Über alle Themen rund um Dronabinol können sich die expopharm-Besucher bei Aussteller Bionorica ethics auf dem Areal der pharma-world in Halle B5 informieren. Ausgewählte Aspekte waren Gegenstand des Fachinterviews, das dort am Freitag unter der Moderation von Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, stattfand. Im Vordergrund standen Service und Unterstützung, die den Apotheken im Umgang mit dem sensiblen Wirkstoff zur Verfügung stehen. „Für jeden Schritt von der Bestellung über die Eingangs- und Plausibilitätsprüfung sowie die Herstellung von wahlweise Tropfen oder Kapseln bis hin zur Abgabe des Arzneimittels an den Patienten bietet Bionorica ethics alle Services und verschiedene Arbeitshilfen an“, informierte Kristin Mann, Leiterin Marketing & Sales bei Bionorica ethics. Expopharm-Besucher können sich am Stand über alle Punkte aus erster Hand informieren.

Auch die Frage, warum Dronabinol „nur“ als Rezeptursubstanz und nicht als Fertigarzneimittel zur Verfügung steht, wurde heute wieder gestellt. Vor allem der Faktor Zeit spielt hier die Hauptrolle. In der kurzen Zeit seit Beginn der Erstattungsfähigkeit im März 2017 habe man keine Studien durchführen und keine Zulassung beantragen können, sagte Mann. Diese seien aber geplant. Einzelheiten sind jedoch noch nicht bekannt. Der Einsatz in Form von Rezepturen beinhalte aber auch einen Vorteil, ergänzte Dingermann: Fertigarzneimittel seien stets für bestimmte Anwendungsbereiche zugelassen, die Anwendung außerhalb der Indikation häufig schwierig.

Mehr zum Thema Dronabionol gibt es am Stand von Bionorica ethics auf dem Areal der pharma-world in Halle B5. Cannabis ist als Schwerpunkt-Thema der diesjährigen pharma-world außerdem Gegenstand verschiedener Vorträge.

pharma-world | Dronabinol: Von der Bestellung über die Herstellung bis zur Abgabe2018-10-13T11:14:17+00:00

pharma-world | Wie Erkältungsviren die innere Uhr nutzen

Die innere Uhr steuert nicht nur das Schlaf- und Wachverhalten des Menschen, sie beeinflusst darüber hinaus zahlreiche weitere Vorgänge, zu denen auch Immunprozesse gehören. Auf welche Weise sie Einfluss auf den Verlauf von Erkältungskrankheiten nehmen kann, erläuterte Professor Dr. Achim Kramer, Berlin, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm.

Jede einzelne Zelle werde durch eine innere Uhr gesteuert, so Kramer weiter. Nach dem Befall von Zellen durch Erkältungsviren kommt es demnach zu einem wechselseitigen Geschehen: Im Idealfall nimmt die innere Uhr der Wirtszelle Einfluss auf die Virenvermehrung, indem sie deren Hemmung unterstützt; umgekehrt sind die eingedrungenen Viren ihrerseits in der Lage, die innere Uhr der Zelle „zu verstellen“ und so die Hemmung ihrer Vermehrung außer Kraft zu setzen. „Der Zeitpunkt der Ansteckung kann für die Ausprägung der Symptomatik und ihren zeitlichen Verlauf entscheidend sein“, erklärte der Referent. Eine „starke“ innere Uhr könne die Abwehrkräfte stärken. Zudem könnte auch die Behandlung von Erkältungskrankheiten von chronotherapeutischen Ansätzen, wie man sie bei anderen Erkrankungen bereits angewendet werden, profitieren.

pharma-world | Wie Erkältungsviren die innere Uhr nutzen2018-10-12T14:48:57+00:00

pharma-world | Vitalpilze: Neu auf der pharma-world

Vitalpilze sind Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin, in den Apotheken und auf der pharma-world zählten sie bisher zu den Exoten. Was Vitalpilze möglicherweise bewirken und auf welche Weise dies geschehen könnte, waren zentrale Fragen sowohl des pharma-world-Vortrages von Heilpraktiker Alexander Baur-Schall als auch des Fachinterviews am Stand von Hennig Arzneimittel, das von Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, moderiert wurde.

Insbesondere die enthaltenen Polysaccharide sehe man als zentrale Bestandteile für die Effekte an, erläuterte Baur-Schall im Vortrag und im anschließenden Interview. Sie seinen in der Lage, das Immunsystem modulierend zu beeinflussen. Die Mechanismen sind bisher weitgehend unbekannt. Denkbar sei ein Effekt auf das Darmmikrobiom und auf die Peyer-Plaques – zusammenhängenden Lymphfollikeln, die sich im gesamten Dünndarm befinden, vor allem im Krummdarm und im Wurmfortsatz, sagte Dingermann. Polysaccharide könnten dabei möglicherweise „wie ein Externum“ verhalten, also prä- oder probiotisch, aber ohne dass eine Resorption stattfinde. Dennoch sei eine Reaktion des „größten Immunorgan des Körpers“ vorstellbar. Es spreche daher nichts gegen einen Heilversuch. Wichtig sei, ein Ziel hinsichtlich des Effektes und des Zeitraumes zu setzen, um zu überprüfen, ob man auf den Einsatz anspreche.

Verschiedene Vitalpilze sind Bestandteil der Trivital®-Produktfamilie des pharma-world-Ausstellers Hennig Arzneimittel. Die Nahrungsergänzungsmittel für verschiedene Einsatzzwecke enthalten außerdem jeweils unterschiedliche Pflanzenextrakte und Mineralstoffe. Weitere Informationen zu Vitalpilzen gibt es am Stand von Hennig Arzneimittel auf dem Areal der pharma-world.

pharma-world | Vitalpilze: Neu auf der pharma-world2018-10-12T13:17:40+00:00

pharma-world | Wie nächtlicher Husten die Lebensqualität beeinträchtigt

Zwischen nächtlichem Husten und der Beeinträchtigung der Lebensqualität gibt es einen „dosisabhängigen“ Zusammenhang. Eine aktuelle Anwendungsbeobachtung hierzu stellte PD Dr. Kai Michael Beeh, Wiesbaden, in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm in München vor. Sie zeigt: Je häufiger Patienten nachts von Husten geweckt wurden, umso stärker nahm die Lebensqualität ab – unabhängig von der Schwere der Ausgangserkrankung. Auch ein Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern konnte nicht festgestellt werden. Je häufiger in der Nacht Hustenereignisse eintraten, umso stärker war am Tag die Konzentration beeinträchtigt, konnten Tagesaktivitäten nicht wie gewohnt stattfinden und umso erschöpfter fühlten sich die Teilnehmer der Befragung.

Doch warum tritt Husten bevorzugt während der Nacht auf? Grund hierfür sei insbesondere der nervale Anteil der Veränderungen durch die virale Infektion, erläuterte Beeh die Hintergründe. So entstehen durch die Infektion „Lücken“ im zuvor geschlossenen Zellverband des Schleimhaut-Epithels. Schädliche Partikel können dann das tieferliegende Gewebe reizen. In der Nacht, wenn das parasympathische System die Oberhand habe, seien Nervenfasern aktiver, die Hustenreize weiterleiten.

Mehr zum Thema Husten und seine Behandlung gibt es in weiteren Vorträgen und bei verschiedenen Ausstellern auf dem Areal der pharma-world.

pharma-world | Wie nächtlicher Husten die Lebensqualität beeinträchtigt2018-10-11T18:47:19+00:00

pharma-world | Defektur-Arzneimittel: Keine Angst vor der Dokumentation

Mit Eigenherstellungen können Apotheken bei Kunden und Patienten punkten, doch viele schrecken bei der Herstellung von Defekturen, Standardzulassungen und unechten Hausspezialitäten vor allem wegen der erforderlichen Dokumentation zurück – unnötigerweise, wie Apotheker Lars Peter Frohn in seinem Vortrag auf der pharma-world der expopharm ausführte.
Voraussetzung für eine Herstellung im Rahmen der Defektur ist eine häufige ärztliche Verordnung des entsprechenden Arzneimittels. Da es sich um eine „Rezeptur auf Vorrat“ handelt, entfalle eine explizite Plausibilitätsprüfung, erläuterte Frohn. Sie habe im Rahmen der Anfertigung als Rezeptur bereits stattgefunden.
Abschreckend wirke vor allem die Risiko-Bewertung, so der Referent weiter. Diese lasse sich jedoch auf der Grundlage der fünf geforderten Kriterien – jährliche Produktionsmenge, Applikationsart und Darreichungsform, inhärente Risiken des Wirkstoffs, Herstellungsprozess sowie Abgabe – sehr einfach durchführen. Letzendlich bedeute die Risikobewertung nicht einmal einen Mehraufwand, da der Prüfaufwand durch sie enorm reduziert werde.
Mit Hilfe des DAC lassen sich die Anfertigungen in drei Risiko-Klassen einteilen. Die Zuordnung lasse sich durch ein Online-Tool leicht und rasch erledigen, so Frohn. Auf der expopharm können Interessierte es sich beim DAC/NRF auf der Avoxa-Standfläche (Halle B6, Stand C-10) anschauen und sich die Anwendung von den Experten erklären lassen.

Mehr zum Thema Rezeptur gibt es außerdem in den Vorträgen der pharma-world.

pharma-world | Defektur-Arzneimittel: Keine Angst vor der Dokumentation2018-10-11T13:55:24+00:00

expopharm Medienpreis 2018 verliehen

Eschborn/München (11. Oktober 2018) Gestern wurde zum 14.mal der expopharm Medienpreis verliehen. Mit diesem Wettbewerb will die größte und wichtigste pharmazeutische Fachmesse Europas die fundierte und durchaus auch kritische Berichterstattung rund um die Apotheken fördern. Der Preis wurde in vier Kategorien ausgeschrieben.

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In der Kategorie Apotheke und Politik wurde Dagmar Röhrlich für ihre Sendung: „Lieferengpässe bei Medikamenten – Notstand im Apotheker-Regal“ ausgezeichnet, die am 26. Februar 2018 erstmals im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde. Obwohl Apotheker, die pharmazeutische Industrie und auch die Politik schon Einiges unternommen haben, um der Nichtverfügbarkeit auch bei versorgungsrelevanten Wirkstoffen gegenzusteuern, ist das Problem noch immer nicht gelöst. Klar ist, dass der weltweit zunehmende Kostendruck und die Globalisierung ihren gehörigen Beitrag zu diesem Problem geleistet haben. Zwar produzieren China und Indien zu Preisen, die in Deutschland nicht im Ansatz kostendeckend zu realisieren sind. Dies geht aber zu Lasten der Qualität. Arzneimittel- und Versorgungssicherheit vertragen sich nicht wirklich mit Schnäppchenpreisen. Letztlich sind dies Herausforderungen im Weltmaßstab, die Dagmar Röhrlich laienverständlich darstellt, so dass sich die Hörer nach der Sendung eine fundierte Meinung bilden können.

Für ihren Dokumentarfilm „Unbezahlbare Pillen“ erhielten Stephan Arapovic und Johan von Mirbach den expopharm Medienpreis in der Kategorie Apotheke und Ökonomie. Die Sendung, die am 7. September 2017 erstmals in 3sat ausgestrahlt wurde, setzt sich mit der Frage auseinander, welche Behandlungen in einem solidarischen Gesundheitssystem auch künftig noch finanziert werden sollen. Nicht zuletzt die aufwändigen Forschungs- und Produktionsverfahren für biotechnologische Arzneimittel haben diese Innovationen so teuer gemacht, das eine flächendeckende Behandlung aller in Frage kommenden Patienten so manches Gesundheitssystem in den Ruin treiben würde. Arapovic und von Mirbach wagen den schwierigen Ansatz, die ökonomischen und ethischen Dimensionen dieser Entwicklung gegeneinander abzuwiegen. Die Jury bewertete den gewählten Ansatz als ausgezeichnete Darstellung eines Problems, das in den kommenden Jahren eher größer als kleiner werden wird.

„Heilkraut“ nannte der Arzt und Journalist Dr. Bernhard Albrecht seine Titelgeschichte des Stern vom 19. April 2018, für die er den expopharm Medienpreis in der Kategorie Apotheke und Verbraucher erhielt. Auf insgesamt zehn Druckseiten greift er das auch ideologisch kontrovers diskutierte Thema Cannabis unter den verschiedensten Blickwinkeln auf. Er zeigt die Hoffnungen, die sich mit dieser Therapie verbinden ebenso wie deren Schattenseiten. So stellt er beispielsweise eine wirtschaftliche Goldgräberstimmung bei den Herstellern fest, die oft keine pharmazeutischen Unternehmen sind. Klar sei aber, dass die Erforschung der Haupt- und Nebenwirkungen von Cannabis weiter vorangetrieben werden müsse. Die Jury wertete diesen Artikel als besonders gelungenes Beispiel für die Aufklärung von Patienten und Verbrauchern. Denn er zeigt, dass auch ein emotional besetztes Thema so dargestellt werden kann, dass sich die Leser nach der Lektüre eine auf Fakten basierte eigene Meinung bilden können.

Dass es wichtig ist, Medikamente je nach Wirkmechanismus vor oder nach dem Essen einzunehmen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass auch die Tageszeit der Anwendung eine bedeutsame Rolle spielt. Maike Brzoska hat dieser Tatsache eine eigene Sendung in Bayern 2 gewidmet, die unter dem Titel „Chronomedizin – Therapie im Takt des Körpers“ erstmalig am 25. Januar 2018 ausgestrahlt wurde. Hierfür wurde sie nun mit dem expopharm Medienpreis in der Kategorie Pharmazie und Forschung geehrt. Die Jury bezeichnete den Beitrag als ein besonders gelungenes Beispiel für die laienverständliche Aufbereitung sehr schwieriger aber extrem wichtiger Themen. Die Autorin macht es ihren Zuhörern durch plastische und spannende Beispiele leichter, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen. Nach Meinung der Jury macht gerade das guten und daher auch preiswürdigen Wissenschaftsjournalismus aus.

Die Preisverleihung fand im Münchner GOP Varieté-Theater statt. Der expopharm Medienpreis 2018 wurde von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der DKV und der Messe München unterstützt.

Die Pressemitteilung können Sie auch hier downloaden.

expopharm Medienpreis 2018 verliehen2018-10-15T11:45:19+00:00

pharma-world | Neu: Fachinterviews bei den Ausstellern

In den Vortragspausen auf der pharma-world der expopharm gibt es in diesem Jahr erstmalig das Format der Fachinterviews an den Ständen ausgewählter Aussteller. Die Premiere fand am Mittwoch am Stand von Cannamedical statt und wurde von Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, moderiert. Praktische Fragen der expopharm-Besucher zur Versorgung mit Medizinal-Cannabis waren dabei ebenso Thema wie weitere Cannabis-Produkte, die in der Zukunft sicher größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden.

Lieferschwierigkeiten zu beseitigen und Versorgungslücken zu schließen sei das erklärte Ziel von Cannamedical, erläuterte Jascha Berg, Head of Customer Service von Cannamedical. Bisher wurden Cannabis-Blüten vor allem aus den Niederlanden importiert, doch die Kontingente reichten zur Deckung des Bedarf in Deutschland nicht aus. Cannamedical arbeite daher mit Lieferanten aus weiteren Ländern zusammen. Derzeit entwickelt Cannamedical zudem Eigenmarken, die 2019 verfügbar sein sollen.

Cannabidiol, ebenfall ein Inhaltsstoff aus Cannabis sativa, besitzt keine psyoaktiven Eigenschaften und ist als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft. Es handele sich dabei um eine Substanz mit Potenzial, zu der derzeit verschiedene Studien durchgeführt würden, sagte Dingermann. So habe die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA die Erlaubnis erteilt, CBD bei Kindern mit seltenen Formen der Epilepsie anzuwenden. In Israel werde in einer Klinik der Einsatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa untersucht.

Mehr zum Thema Medizinal-Cannabis und CBD gibt es am Stand von Cannamedical auf dem Areal der pharma-world in Halle B5. Cannabis ist als Schwerpunkt-Thema der diesjährigen pharma-world außerdem Gegenstand verschiedener Vorträge.

pharma-world | Neu: Fachinterviews bei den Ausstellern2018-10-11T13:16:56+00:00